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SPORTaktiv Skitourenguide 2016

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SICHERHEIT ERKLÄR MIR

SICHERHEIT ERKLÄR MIR ... ... DEN SCHNEE NICHT VON „WEISSER IDYLLE“ IST HIER DIE REDE, sondern davon, was Profis aus dem Schnee herauslesen können. Und was das jeweils mit Lawinengefahr zu tun hat. Berg- und Skiführer Thomas Lippitsch bringt wichtige Informationen auf den Punkt – „nicht erschöpfend, sondern als Anreiz zum Weiterlernen“, wie der Kärntner betont. 2 1 3 1. Anhand eines Schneeprofils können Experten Schwachschichten in der Schneedecke erkennen und wertvolle Rückschlüsse auf die Lawinensituation ziehen. 2. Der Prozess der „aufbauenden Umwandlung“ ist oft für die Bildung instabiler Schichten verantwortlich. 3. Triebschnee durch Windverfrachtung ist immer ein wichtiges Alarmzeichen und sollte umgangen werden. EINES MUSS MAN VORAUSSCHICKEN: Wissen über Lawinenbildung und fürs sichere Bewegen im Gelände kann man sich nur bedingt „anlesen“! Viel besser ist es, einen Lawinenkurs zu besuchen. Der Bezug zur Praxis macht die komplexen Themen Schnee- und Lawinenkunde nämlich wesentlich leichter verständlich. Trotzdem möchte ich hier einen kurzen Einblick in die wichtigsten Fakten rund um Schneedecke und Lawinenentstehung geben. Quasi als Anreiz, sich mit dem wichtigen Thema überhaupt zu beschäftigen! EINE GRUNDLEGENDE VORAUSSET- ZUNG, damit eine Schneebrettlawine überhaupt entstehen kann, ist das Vorhandensein unterschiedlicher Schichten in der Schneedecke. Um zu begreifen, wie sich Lawinen bilden, muss man zunächst darüber Bescheid wissen, wie diese Schichten überhaupt entstehen – und welche Konstellationen dabei besonders ungünstig sind. Prinzipiell weist lockerer, frisch gefallener Neuschnee andere Eigenschaften auf als Altschnee. Das liegt daran, dass ständig verschiedene Veränderungsprozesse auf die Schneedecke einwirken. Hier die drei wichtigsten Prozesse: FOTOS: Thomas Lippitsch TEXT: Thomas Lippitsch 56 SPORTaktiv-Skitourenguide 2016/17

1. SETZUNG: Neuschnee fällt bei Windstille in der typischen sechseckigen Flockenform. Unter Einwirkung von Wärme und Druck bilden sich die Verästelungen der Schneeflocken später zurück, es entstehen kleinere, runde Partikel. Diese brauchen weniger Platz, die Schneedecke sinkt daher zusammen. Durch diese Setzung entsteht prinzipiell eine „Bindung“ in der Schneedecke, konkret: eine flächige Verbindung zwischen den einzelnen Schneekörnern. Diese Verbindung ist einerseits eine Grundvoraussetzung für das Entstehen von Schneebrettlawinen. Setzung wirkt andererseits positiv, wenn die Festigkeit der Schneedecke ein so großes Ausmaß annimmt, dass kein Bruch mehr möglich ist, Spannungen in der Schneedecke aufgehoben werden bzw. die Verbindung zum Altschnee so gut wird, dass eine Lawinenauslösung unmöglich wird. 2. AUFBAUENDE UMWANDLUNG: Für die Bildung instabiler Schichten in der Schneedecke ist vor allem ein Prozess zuständig, der „aufbauende Umwandlung“ genannt wird. Grundvoraussetzung für das Einsetzen dieses Prozesses ist ein möglichst großer Temperatur unterschied zwischen den bodennahen Schichten und der Schneeoberfläche. Ist diese Voraussetzung erfüllt, setzt in den wärmeren Schichten ein Verdunstungsprozess ein – es bildet sich Wasserdampf, der bis zur nächstkälteren Schicht aufsteigt und hier wieder gefriert. Dabei bilden sich große, becherförmige Kristalle, die untereinander und zu den angrenzenden Schichten kaum Bindung eingehen. Die dadurch entstehende Schneeart wird „Schwimmschnee“ oder „aufgebaut umgewandelter Schnee“ genannt. Bei den meisten Schneebrettlawinen sind „aufgebaut umgewandelte Schich- Der Experte MAG. THOMAS LIPPITSCH ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Geschäftsführer der Alpinschule „high life“ und Obmann des Verbands der Kärntner Berg- und Skiführer. Vertiefend behandelt Thomas Lippitsch das Thema in seinem Buch „Skitouren-Coach Kärnten“, erschienen bei Edition Neumann. KONTAKT: highlife.co.at ten“ als Gleitschichten beteiligt. Sie entstehen besonders bei niedrigen Schneedecken und hohen Temperaturunterschieden – ein Grund, warum vor allem in schnee armen Wintern besonders ungünstige Verhältnisse herrschen können. 3. MECHANISCHE UMWANDLUNG entsteht durch Windeinfluss. Der Schnee wird durch den Wind transportiert und verliert dabei seine ursprüngliche Struktur. Durch das Aneinanderreiben der Schneeflocken entstehen kleine Schneekörner, diese sammeln sich in den windgeschützteren Bereichen an und bilden hier den sogenannten Triebschnee. Triebschneeablagerungen weisen praktisch immer eine flächige Bindung auf. Da wir in den meisten Fällen nicht ausschließen können, dass sich unter dem Triebschnee eine potenzielle Gleitschicht befindet, ist es wichtig, frische Triebschneeansammlungen zu erkennen und sie zu umgehen. SO ENTSTEHT DIE SCHNEEBRETTLAWINE: Wiederum sind es drei Punkte, die dafür verantwortlich sind: 1. EINE GEBUNDENE SCHNEESCHICHT: Gemeint ist eine großflächige Bindung in der Schneedecke, eine sogenannte „Schneetafel“. Diese gefährliche flächige Bindung in der Schneedecke wird entweder durch Setzung oder durch Windverfrachtung, sprich Triebschneebildung, geschaffen. 2. EINE GLEITSCHICHT: Die häufigste Gleitschicht ist Schwimmschnee, der durch aufbauende Umwandlung entsteht. Er ist sehr locker, ungebunden und wirkt wie ein Kugellager. Harschschichten, Eislamellen, lockerer Neuschnee unter Triebschneeansammlungen oder eingeschneiter Oberflächenreif können ebenfalls Gleitschichten sein. 3. ES MUSS STEIL GENUG SEIN: Statistisch gesehen gibt es die meisten Unfälle in über 30 Grad steilem Gelände. Darunter ist eine Lawinenauslösung zwar möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich – unter 30 Grad müssen schon mehrere ungünstige Faktoren zusammentreffen! WEITERLERNEN! Im Rahmen vieler Skitourenkurse wird die Thematik ausführlich und praxisnah vermittelt – zum Beispiel in Thomas Lippitsch‘s Alpinschule high life (siehe Seite 59). Termine: highlife.co.at

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