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SPORTaktiv Skitourenguide 2016

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PERSONALITY Stefan

PERSONALITY Stefan Wierer am „Arbeitsplatz“: ein sicherer Guide im Aufstieg, ein Kenner der besten Abfahrten – und ein Coach für Touren-Schnupperer. geht er in den folgenden Tag? Alle wichtigen Fragen sollten ausgeräumt sein, damit der Kunde eine ruhige Nacht hat – mit dem Gefühl, an den „Richtigen“ geraten zu sein. Mit diesen Eindrücken geht man als Guide heim, überdenkt die Wünsche des Gastes und überlegt sich die ideale Tour. Und am nächsten Morgen stell ich die Tour vor, erkläre die zu erwartenden Herausforderungen und die Lawinensituation. Dann die Ausrüstungskontrolle mit LVS-Check usw., und los geht’s – die Erwartung will auch gestillt werden. Von welchen Kosten reden wir beim Buchen eines Skitourenguides? Da hab ich zwei Modelle: Bei ganztägigen Touren kommt das aktuelle Honorar laut Verband zum Tragen. Das sind heuer € 320,– , egal, ob einzelner Gast oder Gruppe, ohne weitere Spesen. Ich selbst biete aber auch, so wie in einer Skischule, ein System auf Stundenbasis an. Heißt das, du gehst auch mit totalen Anfängern auf „Schnuppertour“? Ja natürlich! Das ist für den Gast wie die erste Liebe – das vergisst man nie wieder. Egal, ob man dann mit dem Tourengehen weitermacht oder es dabei belässt – dieser eine Tag soll im positiven Sinn was Besonderes im Leben gewesen sein. Wie kann man sich so ein Reinschnuppern vorstellen? Es geht primär um das Loslösen von Ängsten, um das Verständnis für all die Sorgen und Belastungen, mit FOTO: Gerhard Polzer Perfect fit Thule Versant Bei der Versant Serie stehen die Leichtigkeit des Trekking-Rucksacks und die wichtigsten Funktionsmerkmale im perfekten Gleichgewicht.

denen dieser Sport ja auch verbunden wird. Unglaublich, wie oft ich höre: Nein, das kann ich nicht, das geht nicht, das ist doch gefährlich ... Hier gilt es, erst mit guten Argumenten die andere Möglichkeit aufzuzeigen und dann den richtigen Umgang mit der Ausrüstung. Natürlich geht es bei diesen Schnuppertouren um die Schneebeschaffenheit, um die Lawinengefahr bis zur Präsentation einer LVS-Suche – und, wenn nötig, um Tipps zum besseren, leichteren Abfahren. Wichtig ist, dass das ganze Paket begreiflich ist und nicht überfordert. Du bist seit 28 Jahren Skitourenguide. Was hat sich deiner Meinung nach verändert – bei den Gästen, aber auch beim Führen? Es ist chilliger geworden, einfacher, cooler. Aber auch vorsichtiger, woraus sich ja auch für unseren Beruf enorme Chancen ergeben haben. Die wesentlichste Veränderung passierte sicher bei der Ausrüstung, von der Breite der Ski bis zu den Lawinenrucksäcken. Die Kehrseite ist, dass dadurch noch aggressiver, noch steiler gefahren wird, was den Sicherheitsgewinn wieder aufhebt. Die Gäste sind theoretisch belesener und viel interessierter, freuen sich, wenn sie miteinbezogen werden in deine Gedankenwelt der Entscheidungen. Und es gibt Gäste, die in ihrem Berufsleben selbst viel zu entscheiden haben, und es genießen, sich hier anvertrauen zu können. Es gibt ja den schönen Spruch: Der Gast zahlt – und der Gast schafft an. Dieser Spruch gilt für ganz, ganz wenige Gäste. Klar, wenn mit der Bezahlung ein konkretes Ziel in Verbindung steht, ist dieses Ziel ein wesentlicher Teil des Geschäfts, also eine Dienstleistung. Die beinhaltet aber auch, dass ich meine Sicherheitsbedenken vertrete – bis hin zum Abbruch der Tour ohne Wenn und Aber. Wir wissen, auch ein Guide kann seinen Gästen nie hundertprozentige Sicherheit garantieren. Wie gehst du damit um? Gerade der letzte Winter hat mir aufgezeigt, wie kompliziert die Zusammenhänge in der Schneedecke sind, und wie schwierig es ist, alles in einem großen Maß zu erkennen. Ist das geschafft, braucht auch der Kopf noch eine Zeit, um darauf zu reagieren und Der Skibergführer STEFAN WIERER ist Chef der Berg- und Skiführerschule „Zillertaler Bergführer“. Er führt individuell Skitouren für Einsteiger und Könner, bietet Tages touren ab € 250,-, aber auch Schnupperstunden für Touren-Anfänger an. Infos/Buchung: 0664/124 00 69; info@zillertaler-bergfuehrer.at WEB: zillertaler-bergfuehrer.at ein „eingebranntes“ Ziel abzuändern. Es gibt da einen kurzen Witz in der Branche, über den Unterschied zwischen Gott und einem Skiguide. Gott weiß, dass er kein Skiguide ist! Soll heißen: Es ist die Demut vor den Gefahren der Natur, das Bewusstsein, sich in diesen Gefahren mit Anvertrauten zu bewegen – und nicht zu glauben, man muss Gott spielen. Wie siehst du eigentlich den ganzen Hype um das Skitourengehen und auch um das Freeriden? Beides wird ja gerade von der Industrie und vom Sporthandel extrem gepusht? Oft kommt es mir vor, es ist der Strohhalm der Winterindustrie. Aber als Anbieter von dazupassenden Dienstleistungen hilft es uns schon viel. Und ehrlich gesagt: Mir ist ein Hype lieber, der in der Gesellschaft Körperbewusstsein schafft, als so manche ungesunde Entwicklung. Wie siehst du die Zukunft im Freerideund Tourenbereich? Alle sind auf der Suche nach neuen Lines, nach unverspurten Abfahrten. Dafür werden im Freeridebereich und bei den Skitouren schon Aufstiege und Abfahrten praktisch zu jeder Tages- und Nachtzeit gemacht, die verantwortungslos sind und Verlierer produzieren. Der große Verlierer ist sicher das Wild, eine abgestimmte Vorgangsweise in Brennpunktbereichen mit allen Interessenvertretern und Naturnützern wird unausweichlich sein. Dazu gibt es bereits sehr gute Überlegungen, die sich in der Praxis mit dem nötigen Respekt leicht umsetzen lassen. Der persönliche Verzicht ist der Schlüssel für die Zukunft – mit behördlich angeordneten Verboten oder Sperren von ganzen Gebieten werden nur Gegenströmungen provoziert und aggresive Gegenstimmung erzeugt. Wie passt da das Thema Pistentourengehen dazu? Es sagt schon alles, dass ich diese Sportler persönlich als „Pistengeher“ bezeichne – ohne „touren“. Aus meiner Sicht haben die eine ideale Form des Ausgleichs gefunden, ohne das Risiko der Natur in Kauf nehmen zu wollen. gleich wie der Hallenkletterer. Aber es muss ihnen bewusst sein, dass hier bereits vorher ein Regelwerk, nämlich das der Seilbahnbetreiber, bestand und sie auf der Piste sozusagen die letzte Gruppe der Benützer sind. Sinn macht Pistengehen für mich als Trainingsform und für den gesellschaftlichen Austausch; keinen Sinn macht es in der Nacht – und schon gar nicht auf wegen Seilpräparierung oder Lawinensprengungen gesperrten Pisten. Du führst über den ganzen Winter fast täglich Touren mit Gästen. Bleibt da eigentlich noch Lust, auch in der Freizeit, mit Freunden oder Familie, Skitouren zu machen? Ja natürlich, sonst passiert dir das Schlimmste, was du deinen Gästen antun kannst! Skitouren nur für dich selbst sind dein Barometer, ob die Leidenschaft noch brennt. Gott sei Dank lodert dieses Feuer noch kräftig. Was war eigentlich die schönste Tour, die du gemacht hast? Ganz ehrlich? Für mich gibt es da kein Ranking, kein Prädikat „schönste Tour“. Es sind immer die damit unmittelbar verbundenen Erlebnisse, die jede Tour zu etwas Besonderem werden lassen. Das gilt im guten, aber eben auch im traurigen Fall. Zum Abschluss: Was wünscht du dir als Skitourenguide für die kommende Wintersaison? Dass der Winter wieder viel Emotion erzeugt. Und dass er für mich persönlich meine Erwartungen, die ich schon als Kind an den Winter im Allgemeinen und an das Skitourengehen im Speziellenhatte, auch weiterhin erfüllt ... 97

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