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SPORTaktiv Skitourenguide 2017

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WENN JEDE MINUTE ZÄHLT

WENN JEDE MINUTE ZÄHLT ... ALLEN SICHERHEITSVORKEHRUNGEN ZUM TROTZ: WIRD JEMAND VON EINER LAWINE VERSCHÜTTET, IST VON ALLEN ANDEREN GRUPPEN MITGLIEDERN RASCHES, ENTSCHLOSSENES HANDELN GEFRAGT! Und noch einmal sei betont: Das Verhalten in Notfällen soll man unbedingt in Kursen lernen und immer wieder trainieren. Um hier aber einen Eindruck zu vermitteln, wie komplex das Notfallverhalten nach einem Lawinenabgang ist (was ja die Notwendigkeit eines Kursbesuchs nur unterstreicht!), wollen wir mit Naturfreunde-Experte Martin Edlinger die 15 Minuten nach einem Lawinenabgang aufrollen. Denn grundsätzlich gilt: Wird ein Lawinenopfer binnen 15 Minuten befreit, besteht eine 90-prozentige Überlebenswahrscheinlichkeit; danach sinkt die Überlebenschance rapide! Der Lawinenabgang Gruppenmitglieder, die während der Lawine in einer sicheren Position sind, verhalten sich so: „Für sie gilt, die Sturzbahn von Menschen, die in die Lawine geraten, zu verfolgen und sich den ‚Verschwindepunkt‘ zu merken. Ist die Lawine zum Stillstand gekommen, übernimmt einer der Retter sofort die Einsatzleitung, damit kein Chaos entsteht.“ Erst Notruf oder Suche? Wann der Notruf abgesetzt wird, ist situationsabhängig. „Zwei Minuten Telefonieren können über Leben oder Tod entscheiden!“ Deswegen gilt: Sofort wird alarmiert, wenn ... • ... mehrere Personen für die Rettung zur Verfügung stehen. Dabei wird parallel alarmiert und schon mit der LVS-Suche gestartet; • ... professionelle Hilfe sehr schnell zu erwarten ist – z. B. wenn ein Skigebiet in der Nähe ist; • ... falls keine Notfallausrüstung vorhanden ist. Ist man als Helfer allein oder ist rasches Eintreffen von Profihilfe unrealistisch, gilt: suchen, Opfer ausgraben, Erste-Hilfe-Maßnahmen setzen – dann erst alarmieren! Foto: Martin Edlinger 70 SPORTaktiv

MIT DER SONDE SO LÄUFT DIE RETTUNG AB SUCHE MIT DEM LVS-GERÄT Der routinierte Umgang mit dem LVS ist der größte Faktor, um Zeit einzusparen. Der zweitgrößte: ein modernes 3-Antennen-Gerät. Das ist der Ablauf: Alle Geräte auf Empfang stellen – ist auch nur ein Gerät fälschlich auf Senden, entsteht Mega-Verwirrung! Die „Signalsuche“: Man rastert den Suchbereich vom „Verschwindepunkt“ aus systematisch nach einem Erstempfang ab. Parallel dazu wird nach aus der Lawine herausragenden Gegenständen Ausschau gehalten. Die „Grobsuche“: Ist ein Empfangssignal da, gilt es (ein modernes LVS-Gerät vorausgesetzt), der angezeigten Pfeilrichtung zu folgen. Gleichzeitig erscheint die Distanz auf dem Display. Die „Feinsuche“: Im Distanzbereich von 8 bis 5 Metern verringert man die Geschwindigkeit und führt sein LVS-Gerät nah an die Schneeoberfläche. Ab ca. 2 Metern Distanz wird meist keine Pfeilrichtung mehr angezeigt – man geht nun in der eingeschlagenen Richtung weiter, bis die angezeigte Distanz wieder steigt. Ab dem kleinsten Wert wird systematisch „ausgekreuzt“ (die Feinsuche also im 90-Grad-Winkel wiederholt), um die geringste Entfernung zum Verschütteten zu finden. Dieser Schritt, „Punktsuche“ genannt, wird laut unserem Experten oft unterschätzt, „weil man ja schon „am Punkt“ ist. Doch der Verschüttete muss mit der Sonde lokalisiert werden, um genau zu wissen, wo und wie man graben muss. Wichtig: Im 90-Grad-Winkel sondieren, und zwar spiralförmig von dem Punkt vorgehen, den man mit dem LVS-Gerät ermittelt hat. Die Sonde nach „Sucherfolg“ stecken lassen.“ DAS AUSGRABEN Es gilt, schnellstmöglich den Kopf freizuschaufeln, um die Atmung zu ermöglichen. „Nicht entlang der Sonde einfach hinunterschaufeln – so ein Schacht fällt leicht wieder zu. Es gilt, sich talwärts versetzt großflächig zur Sondenspitze vorzuarbeiten. Sind mehrere Retter vorhanden, wird ein Schneeförderband gebildet.“ ERSTE-HILFE-MASSNAHMEN Atemwege frei machen, Bewusstsein und Atmung im Blick behalten, widrigenfalls beatmen/Herzmassage. Vor weiterem Auskühlen schützen (mit Biwaksack, Aludecke, Bekleidung, windgeschützt lagern). Sich für die Retter bemerkbar machen, Hubschrauber einweisen. SPORTaktiv 71

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