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SPORTaktiv Skitourenguide 2017

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LEBENSRETTER MIT GRENZEN

LEBENSRETTER MIT GRENZEN Fotos: xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx 80 SPORTaktiv

AIRBAGRUCKSÄCKE HABEN SICH IN DEN LETZTEN JAHREN STARK ETABLIERT UND GEHÖREN MITTLERWEILE FIX ZUR SICHERHEITSAUS- RÜSTUNG VIELER SKITOURENSPORTLER. EINE POSITIVE UND NACH- VOLLZIEHBARE ENTWICKLUNG – DOCH GLEICHZEITIG IST ES WICHTIG, DEN LAWINENAIRBAG IM KONTEXT ALPINER GEFAHREN RICHTIG EINZUORDNEN UND SEINEN NUTZEN REALISTISCH EINZUSCHÄTZEN. VON NIKO VAN HAL Fotos: ABS Airbagrucksäcke sind in ihrer Funktionalität für Wintersportler einzigartig, können sie doch bei Lawinenunglücken eine Verschüttung aktiv verhindern. Kein anderes Notfallgerät ist dazu im Ernstfall in der Lage und die Wirksamkeit der Airbags ist auch wissenschaftlich bestätigt. Die wohl bekannteste und am häufigste zitierte Studie zu diesem Thema stammt von Pascal Haegeli aus dem Jahr 2014. Eine wichtige Erkenntnis daraus ist, dass die Lawinenrucksäcke ein wertvolles Notfallgerät sind, jedoch nicht ein Überleben garantieren können. Und dass ihre Verwendung keinesfalls dazu führen sollte, mehr Risiko einzugehen – denn sonst ist der Sicherheitsvorteil bald wieder zunichtegemacht. Was Bergprofis denken Sich der Grenzen seines potenziellen Lebensretters am Rücken bewusst zu sein, ist wichtig. Das sieht auch der Skiführer und Alpinausbildner Stephan Skrobar aus dem steirischen Ramsau am Dachstein so, der zunächst festhält: „Jahr für Jahr bewegen sich mehr Menschen im freien Gelände. Dadurch kommt es naturgemäß häufiger zu gefährlichen Situationen, wobei die Anzahl an Lawinentoten nicht im gleichen Ausmaß steigt. Diese Entwicklung würde ich durchaus auch als Resultat der zunehmenden Verbreitung und Anwendung von Airbagrucksäcken sehen – neben anderen Gründen wie zunehmender Aufklärung, gestiegenem Risikobewusstsein oder technologischen Fortschritt.“ Eine wahrnehmbar steigende Risikobereitschaft bei Besitzern von Lawinenrucksäcken beobachtet Skrobar nicht; er betont aber dennoch, dass vor allem Wissen und Erfahrung im freien Wintergelände wichtig sind und der Besitz dieses relativ jungen Ausrüstungsteils keinesfalls zu Selbstüberschätzung verleiten sollte. Einer, der den Trend zum Airbagrucksack differenziert betrachtet, ist Lawinenprognostiker Arno Studeregger vom Lawinenwarndienst Steiermark: „Es ist auf jeden Fall notwendig, sich sowohl mit der Topografie im Gebiet, in dem man unterwegs ist, als auch mit der Funktionalität seines Airbags auseinanderzusetzen, um im Ernstfall richtig und schnell reagieren zu können.“ Abhängig von Gelände und Lawinengröße könne das Betätigen eines Lawinenairbags nämlich auch kritisch sein, merkt Studeregger an: „Gerade in den Ostalpen gibt es viele offene Waldbereiche, die im Falle einer Lawine ein zusätzliches Risiko bergen. Mit einem ausgelösten Airbagrucksack wird man von der Lawine leichter erfasst und es steigt die Gefahr mit Bäumen zu kollidieren.“ Wichtig sei hier die gute Vorbereitung auf Touren und Abfahrten, damit man im Ernstfall auch richtig reagiert und die Situation entsprechend einschätzt. Eine Airbagpflicht für ihre Mitglieder im Einsatz oder in einer Übung hat dagegen seit einigen Jahren bereits die Bergrettung der Ortsstelle Eisenerz, ebenfalls in der Steiermark, ausgerufen. Ortsstellenleiter Gerhard Edelbauer erklärt den Gedanken dahinter: „Der Airbagrucksack stellt eine der wenigen Möglichkeiten dar, das eigene Überleben zu sichern.“ Obwohl die Rucksäcke zum großen Teil von den Rettern privat finanziert wurden, habe es dagegen nie Widerstand gegeben. „Im Gegenteil: Die Rucksäcke werden auch privat immer verwendet.“ SPORTaktiv 81

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