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SPORTaktiv Skitourenguide 2018

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BASTLER, FREIGEIST,

BASTLER, FREIGEIST, VISIONÄR FRITZ BARTHEL, ERFINDER DER PIN- BINDUNG, HAT DEN TOURENSKISCHUH ALS BETÄTIGUNGSFELD ENTDECKT. FÜR UNSEREN SKITOURENGUIDE HAT UNS DER TIROLER EINEN EINBLICK IN SEINE WERKSTATT ERLAUBT. TÜR AUF ZU EINEM WERKSBESUCH DER ANDEREN ART. VON CHRISTOF DOMENIG In der Dorfstraße in Bad Häring stehen die „Low Tech-Werke“. Ein schmuckes Haus, das so idyllisch wirkt, wie man es sich aufgrund des Straßennamens vorstellt. Inhaber des Ein-Personen-Unternehmens ist Fritz Barthel, Erfinder der rahmenlosen Skitourenbindung. Und nebenbei ein Meister der Ironie. Der Sager, dass er als Maschinenbaustudent „aus Faulheit“ die Pin-Bindung erfand, um sich auf Skitouren nicht so plagen zu müssen, ist Kult. 34 Jahre nach Barthels Patentanmeldung 1984 wird ein Marktanteil von rund 70 Prozent für rahmenlose Bindungen kolportiert. Wenn Barthel sagt, „ich hab damals schon gesagt, dass das eine Bindung für extreme Spinner ist – bloß nicht gewusst, dass es so viele Spinner gibt“, dann schwingt dabei nichts als die reine Freude mit. Es hat auch nichts Abwertendes an sich, wenn er über seine Arbeit bis heute als „herumbasteln“ spricht. Ein typischer Barthel-Witz war auch der Name „Low Tech“ – als Gegenentwurf zu „High Tech“. Die Bezeichnung als „Werke“ für sein Unternehmen ist jedoch nicht der bloßen Ironie geschuldet. Nachdem er jahrelang bei allen Bindungsherstellern mit seiner Fotos: Thomas Polzer 16 SPORTaktiv

DI FRITZ BARTHEL ist 58, Maschinenbauer, selbstständig und freier technischer Mitarbeiter bei Dynafit. Konstruktion abblitzte, fertigte er eben in Eigenregie mit Freunden (der „Barthel Gang“) seine „Low Tech“-Bindung. Genau hier, im Keller in Bad Häring. Erst 1990 übernahm Dynafit die Produktion der Bindung. Noch ein paar Beispiele gefällig, die Barthels Persönlichkeit (und seinen Sprachwitz) charakterisieren? In Zeiten, als er seine Low- Tech-Bindung nicht nur selbst produzierte, sondern auch Marketing und Vertrieb in seiner Person vereinte, verteilte er Flyer mit dem Spruch: „Für kaum mehr bekommen Sie sehr viel weniger.“ Auf die Meinung anderer habe er indes nie viel Wert gelegt, erzählt er, zumindest nicht auf negative: Zum Beispiel auf die eines Sporthändlers, der über seine Bindung sagte: „Da haben sich schon viel G’scheitere was überlegt.“ An Barthels Selbstbewusstsein kratzte so eine Aussage nicht – es hat ihn, wie jede Art von Ablehnung, eher angespornt. Ebenso typisch ist auch, dass die allererste Low Tech nicht unterm Glassturz steht, sondern er sie für uns erst aus dem Dachboden hervorkramt. Oder: dass er, der wie die gesamte Sportindustrie vom technischen Fortschritt lebt, auch Zweifel daran äußert, dass „die Erlebnisintensität mit einer besseren Ausrüstung ansteigt“. Früher wäre es normal gewesen, dass Ausrüstung unterwegs versagt hat und man improvisieren musste. „Dieses ‚Imperfekte‘ war auch ein Teil des Abenteuers. Das merkt man sich und wird zur lässigen G’schicht, wenn der erste Grant verraucht ist.“ SPORTaktiv 17

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