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SPORTaktiv April 2021

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SPIEGEL DES Fotos: Paolo

SPIEGEL DES Fotos: Paolo Sartori, Francois Lebeau 104 SPORTaktiv

Das Unmögliche ist etwas weiter oben“ heißt Larchers Buch. „Weiter oben also“ – oder: „etwas später“. Also gibt es einen Grund, es bis dahin nicht zu versuchen, nicht einfach. Und wenn man dann einmal so weit gekommen ist, auch über das (scheinbar) Unmögliche hinaus zu gelangen. Im März 2019 hat der Südtiroler die – nach Meinung von Insidern – weltweit vielleicht schwierigste „Trad-Kletterroute“ als Erster durchstiegen. Erklärung für Nichtkletterer: Im Trad-Klettern („traditionell“) werden nur mobile Sicherungen gesetzt, was die Schwierigkeit erhöht und LEBENS Kannst du unseren Lesern, die viele keine Kletterer sind, kurz beschreiben, was für dich diese Route so besonders macht? Warum du dich in sie, wie es einmal heißt, verliebt hast? Das ist eine recht schwierige Frage. Es war etwas, das für mich voll wichtig war und wo ich nicht sicher war, ob ich es schaffen kann. Aber bei dem ich wissen wollte, ob es möglich ist. Es war die erste Route, in die ich so viel Zeit investiert habe – warum ich das getan habe, kann ich bis heute nicht ganz erklären. Vielleicht hat mitgespielt, dass ich gleich zu Beginn meiner Trad-Kletterkarriere auf die Route gestoßen bin. Die Route ist dann jedesmal, wenn ich wiedergekommen bin, zu einem Spiegel meiner Fähigkeiten geworden. Sie hat mir immer gezeigt, dass ich wieder etwas dazugelernt habe. In meinem Leben ist stets viel passiert. Aber die Route war immer da. So habe ich diese Beziehung zu ihr aufgebaut. DER IN BLUDENZ (V) LEBENDE SÜDTIRO- LER PROFIKLETTERER JACOPO LARCHER (31) HAT EIN „KLETTER- BUCH NICHT NUR FÜR KLETTERER“ GESCHRIEBEN: WIE EINE ROUTE UND WIE DER KLETTERSPORT ALLGEMEIN SPIEGEL- BILD DES LEBENS SEIN KÖNNEN. VON CHRISTOF DOMENIG eine mentale Herausforderung mit sich bringt, wenn man nicht völlig sicher sein kann, ob die Sicherung auch hält. Über sechs Jahre hinweg hat Larcher die 25 Meter lange, vor allem im oberen Bereich mit extremen Schwierigkeiten aufwartende Route „Tribe“ in Cadarese in den norditalienischen Wäldern immer wieder probiert. Unzählige Male ist er gescheitert. Um endlich am 22. März 2019 die Route zu durchsteigen. Die Route „Tribe“ bildet die Klammer des Kletterbuches – das eigentlich ein Buch übers Leben und über Werte wie Freiheit, Leidenschaft, Entwicklung, Beharrlichkeit und Sinn ist. Jacopo, wann ist dir der Gedanke zu dem Buch gekommen: bevor oder nachdem du die „Tribe“-Route nach sechs Jahren schließlich geschafft hast? Die Idee gab es schon früher und es sollte auch nicht ein Buch über „Tribe“ werden. Ich wollte meine Leidenschaft fürs Klettern und mein Leben als Kletterer beschreiben. Gerade als wir uns entschieden hatten, das Buch zu machen und ich zu schreiben begonnen habe, bin ich drei Wochen später tatsächlich Tribe geklettert. Da lag es natürlich auf der Hand, das im Buch zu verarbeiten. Du wolltest der „Tribe“-Route keinen Schwierigkeitsgrad zuweisen. Warum? Das stimmt. Ich wollte nicht, dass dieses Erlebnis nach sechs Jahren auf eine Nummer reduziert wird. Und ich war fast ein wenig enttäuscht, als eine der ersten Fragen, die mir danach gestellt wurde, war, welchen Schwierigkeitsgrad „Tribe“ meiner Meinung nach hätte. Ich meine, es geht im Klettern nicht nur um Performance. Alle meine Projekte sind wichtige Prozesse in meinem Leben und man kann so viel von all diesen Prozessen lernen. Das kann man nicht auf eine Zahl reduzieren. Du beschreibst dich als schüchternes Kind, im Klettersport hast du Selbstbewusstsein und deine Leidenschaft gefunden. Was war es, das dich am Klettersport so fasziniert hat? Die Kletterhalle in Bozen war mein Platz, wo ich mich sicher fühlen und lernen konnte. Und Klettern war mein Mittel, mich mit der Welt zu verbinden. Bis dahin hatte ich noch nicht wirklich meinen Weg gefunden. Beim Klettern habe mich von Beginn weg sicher und frei gefühlt, und die Möglichkeit gesehen, mich als Mensch weiterzuentwickeln. SPORTaktiv 105

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