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SPORTaktiv April 2021

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BEREIT FÜR NEUE TATEN!

BEREIT FÜR NEUE TATEN! DIESER MANN BRENNT VOR EHRGEIZ! DISKUS-HAUDEGEN LUKAS WEISSHAIDINGER ERKLÄRT, WIE ER DIE AUF 2021 VERSCHOBENEN OLYMPISCHEN SPIELE IN TOKIO ROCKEN UND DORT EINE MEDAILLE HOLEN WILL. ER SPRICHT ABER AUCH ÜBER DIE HÜRDEN, DIE DIE CORONA-ZEIT FÜR IHN AUF- GESTELLT HAT UND WELCHE WORST-CASE-SZENARIEN IN SEINEM KOPF HERUM- SCHWIRREN. VON MARKUS GEISLER Plötzlich traf Lukas Weißhaidinger die Selbsterkenntnis wie ein scharf geworfener Diskus am Kopf. Dabei hätte es im Herbst 2020 eigentlich ein gewöhnlicher Spieleabend mit Freunden werden sollen. „Normalerweise sind solche Abende unerträglich mit mir, weil ich immer der Erste sein will“, erzählt er ein paar Monate später mit einem Lachen. „Aber mir war auf einmal egal, ob ich gewinne oder verliere. Als ich das realisiert habe, war ich total schockiert!“ Fehlender Ehrgeiz – für einen ambitionierten Profisportler (und Hobbyfotografen) wie ihn wie ein Fotoapparat ohne Auslöser. Doch all die abgesagten Foto: ÖOC/Florian Rogner 114 SPORTaktiv

Lukas Weißhaidinger hat seinen Fokus auf die Spiele in Tokio gerichtet und brennt darauf, eine Olympiamedaille zu holen. Wettkämpfe, die verschobenen Highlights, die Trainingseinheiten, die ins Leere gingen, sorgten dafür, dass Körper und Geist in den Relaxmodus geschaltet haben. Und sich die Siegermentalität irgendwo zwischen den Mini-Meetings in Schwechat oder Rannersdorf aus dem Staub gemacht hat. Die gute Nachricht: Der Zustand hielt nicht lange an. Als die Vorbereitung auf die Saison 2021 begann, raunte er seinem Trainer zu: „Gregor (Anm.: Högler), die Batterien sind bis zum Anschlag aufgeladen, das spüre ich. Ich bin bereit für neue Taten!“ Schlecht für seine 5-jährige Nichte, die beim UNO-Spielen wieder mit harten Bandagen zu kämpfen hat. Und hoffentlich schlecht für die internationale Diskus-Konkurrenz, die sich darauf einstellen muss, einen topmotivierten Gegner aus Österreich zu haben, der bei der Medaillenvergabe bei den verschobenen Spielen ein Wörtchen mitreden will. Ein Absageszenario ist nach den Aussagen des wiedergewählten IOC-Präsidenten Thomas Bach mittlerweile höchst unwahrscheinlich – und es wäre für Weißhaidinger auch ein absolutes Armutszeugnis, wenn die Flamme am 23. Juli nicht entzündet würde. „Ganz ehrlich: Wenn die Bundesliga spielen kann ... Wenn Tennisturniere ausgetragen werden können ... Wenn diverse Welt- und Europameisterschaften über die Bühne gebracht werden ... Dann ist es für mich undenkbar, dass Olympia komplett gecancelt werden müsste. Dass es wohl leider ohne Zuschauer stattfinden wird – okay. Aber eine Absage? Das wäre ein Stich in den Rücken eines jeden Sportlers.“ Der 29-Jährige ist ein Profi. Und bereitet sich als solcher ohnehin genauso vor, als ob die Spiele unumstößlich stattfinden würden. Was in Zeiten wie diesen eine richtig große Herausforderung ist. Zum Beispiel logistisch. Ursprünglich wäre geplant gewesen, im März ein Trainingslager in Lissabon zu absolvieren. Ohne Impfung nicht möglich, wurde ihm beschieden. Also switchte er auf Teneriffa um. Was für den sonnenhungrigen Urlauber wie ein Luxusproblem klingt, ist für einen Diskuswerfer eine echte Malaise. „In Portugal hätten wir rund um die Uhr trainieren können, auf Teneriffa sind wir in einem Komplex, wo es für uns einen Slot von eineinhalb Stunden am Tag gibt. Und den müssen wir uns noch mit anderen Athleten teilen.“ EINE ABSAGE? DAS WÄRE EIN STICH IN DEN RÜCKEN EINES JEDEN SPORTLERS. Dazu kommt, dass die Situation auch eine echte Challenge für den Kopf ist. Denn natürlich spukt dem Oberösterreicher zwischen den Ohren herum, was passiert, wenn ihn eine Woche vor den Spielen das Virus erwischt und er dem Flieger nach Japan nur hinterherwinken kann. Oder wenn er Ende Mai zum Diamond-League-Meeting nach Doha fliegt und dort zehn Tage in Quarantäne müsste – allein im Hotel. „Diese Worst-Case-Szenarien sind bei mir derzeit präsenter als der Plan, wie wir die Form Ende Juli auf den Höhepunkt bekommen“, gibt er zu. SPORTaktiv 115

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