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SPORTaktiv April 2021

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AM ABSOLUTEN

AM ABSOLUTEN SPORTWISSENSCHAFTER DR. GERHARD ZALLINGER, BEIM ÖFB FÜR DIE FITNESS DER NATIONALSPIELER ZU- STÄNDIG, ÜBER ZU VIEL BE- LASTUNG, DIE WICHTIGKEIT VON REGENERATION UND WELCHE FEHLER EIN „HOB- BY-LEISTUNGSSPORTLER“ AUF KEINEN FALL MACHEN SOLLTE. UND ER ERKLÄRT, WORAUF ES BEI DER VORBE- REITUNG AUF DIE EURO ANKOMMT. INTERVIEW: MARKUS GEISLER LIMIT! UEFA. Inzwischen bestreiten wir ausschließlich Lehrgänge mit drei Spielen, dadurch schrumpft die Zeit des Trainings auf ein Minimum. Stichwort: Überbelastung. Die Spielpläne sind jetzt, auch durch Corona bedingt, am absoluten Limit. Viele unserer Spieler haben innerhalb von acht Tagen drei Spielbelastungen. Mehr verträgt es nicht. Mit ausreichend großen Kadern, Rotation und einer guten Be- und Entlastungsplanung ist das Pensum noch machbar, die Betonung liegt auf noch. Schauen Sie sich nur die Situation im kommenden Sommer an. Seit Marcel Koller 2011 das Teamchefamt übernahm, sind Sie beim ÖFB als Athletikcoach für die Fitness der A-Teamspieler zuständig. Könnte man Ihr erstes Training von damals heute noch genauso machen oder hat sich der Bereich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert? Es hat sich nicht radikal verändert. Es geht bei uns nicht darum, die Fitness der Spieler zu entwickeln, sondern Profis, die mit ganz unterschiedlichen Belastungen zu uns kommen, matchfit zu machen, ihr Level zu halten. Was sich sehr wohl verändert hat, ist die Planung der Sie meinen, wenn die EURO – hoffentlich – vor der Tür steht. Die Spieler kommen aus ihrer vollen Ligabelastung, haben bis zum Start der Vorbereitung gerade einmal vier Tage Pause. Bei manchen kommen noch der Cup und internationale Bewerbe dazu. Da muss ich sagen: Das liegt schon knapp über dem Limit! Es gibt bei Teamsportarten den Trend zur Individualisierung, das Ausrichten des Trainings auf die Belastung des Einzelnen. Wie kompliziert ist dieser Spagat bei einem 23-Mann-Kader? Fotos: Gepa-Pictures.com 118 SPORTaktiv

Dr. Gerhard Zallinger gilt nicht nur beim ÖFB als Lichtgestalt auf dem Gebiet der Sportwissenschaft. Das ist die große Challenge. Mein Leitsatz ist schon lange: Fußball ist ein Individualsport und ein Mannschaftsspiel. Die Herausforderung ist, das Training so weit wie möglich zu individualisieren, dann aber die Mannschaft so lange wie notwendig zusammenzuführen, um den taktischen Verbund hinzubekommen. Sie haben mit Marcel Koller und Franco Foda zwei Teamchefs erlebt. Haben beide unterschiedliche Herangehensweisen an die Fitnessfrage? Nein, und doch ist jeder Trainingstag anders. Das Trainerteam plant die taktischen Inhalte, daraus ergibt sich automatisch eine Beanspruchung auf der körperlichen Seite. Wir schauen dann, dass die Belastung für diesen Tag optimal passt. Zur Trainingssteuerung gehört auch die Regeneration. Ein großes Thema bei Lehrgängen? Vielleicht das größte. Ein Training, nach dem man nicht regeneriert, macht keinen Sinn. Zur ganzen Medaille gehört auch die Seite, aus einem Training fast vollständig regeneriert herauszukommen. Dann nehmen Sie uns doch mal mit. Die Vorstellung bei vielen ist ja die, dass die Burschen trainieren, essen und dann Play Station spielen. Wie ist es wirklich? Es gibt genaue Vorgaben, sowohl nach jedem Training als auch nach jedem Spiel werden alle Faktoren abgedeckt. Es kann durchaus sein, dass jemand auch mal Play Station spielt, das kann für einen jungen Mann in gewissen Situationen eine sinnvolle Regenerationsmaßnahme sein. Aber klar, es gibt signifikante und entscheidendere Methoden. Wir sorgen dafür, dass diese a) bereitstehen und b) von den Spielern genutzt werden. Von was konkret reden wir? Eistonne? Sauna? SPORTaktiv 119

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