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SPORTaktiv August 2019

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MEHR LUFT ZUM LEBEN

MEHR LUFT ZUM LEBEN HÖHENTRAINING IST BEI SPITZENSPORTLERN EINE BEWÄHRTE METHODE ZUR STEIGERUNG DER LEISTUNG. WENIGER BEKANNT IST, DASS DAS TRAINING BEI REDUZIERTEM SAUERSTOFF AUCH NORMALEN MENSCHEN BEI BURN-OUT, STRESSABBAU, DIABETES UND ÜBERGEWICHT HELFEN KANN. UND GLÜCKLICH MACHT ES AUCH NOCH. VON CHRISTOPH HEIGL In der Spitzensport, vor allem Radsportszene ist es seit Jahren Usus, Höhentraining in den Formaufund Leistungsausbau zu integrieren. Dazu begeben sich die Sportler entweder in hoch gelegene Trainingszentren, meist um die 2000 Meter Seehöhe oder sie verwenden künstliches Höhentraining in der Ebene, wo in sportmedizinischen Zentren oder auch in der privaten Anwendung unter Sauerstoffarmut trainiert wird, beispielsweise in sogenannten „Sauerstoffzelten“. Dieses Hypoxietraining führt bei Profis in der Folge zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme und ganz allgemein zu einer Leistungssteigerung (siehe Infobox). Noch unbekannt ist, dass die positiven Effekte auf den Organismus auch in anderen Bereichen angewendet werden können. Von einer „stetig wachsenden Interessentenanzahl an künstlichem Höhentraining in Sport und Therapie“ weiß etwa Christian Pegger zu erzählen. Der Tiroler ist Allgemeinmediziner und kann in seiner Praxis in Innsbruck als einer von ganz wenigen Ärzten in Österreich auch Höhentraining anbieten. „Interessant, denn so lerne ich eine enorme Bandbreite kennen, vom Spitzensportler aus dem absoluten Leistungssport bis hin zum übergewichtigen Nichtsportler, der einfach seinen schlechten Zustand verbessern will.“ Wichtig ist dabei gleich zu betonen, dass Pegger natürlich auch alle herkömmlichen Behandlungsmethoden einschließt, bei Interesse aber künstliches Höhentraining in seiner Praxis anbietet. „Das kann immer nur begleitend erfolgen, Höhentraining alleine ist etwa bei Übergewicht nur ein Baustein von vielen in der Therapie.“ Das Feld der Forschung in diesem Bereich ist noch jung, es gibt aber bereits Studien, die die positiven Effekte belegen. Auch Pegger hat gute Erfahrungen gemacht, etwa bei Patienten mit dem Wunsch nach Gewichtsreduktion. Durch den verminderten Sauerstoff beim Höhentraining wird der Körper zwar schneller müde, es besteht aber im Gegensatz dazu ein erhöhter Kalorienverbrauch. Dadurch kann man die Trainingseinheiten etwa um 15 Prozent kürzer gestalten, was im Falle von Läufern mit Übergewicht die Gelenke deutlich weniger beansprucht. Verbesserungen im Alltag Positive Erfahrungen gibt es auch mit klassischen Stresserkrankungen wie der chronischen Erschöpfung und dem so genannten Burn-out. Dabei setzt Pegger u. a. auf das Training mit Atemmasken 34 SPORTaktiv

Fotos: iStock, Christian Pegger und ein intermittierendes Protokoll, also abwechselnd Phasen mit reduziertem Sauerstoff und Phasen unter Normal-Luftbedingungen. Der Körper lernt mit dieser Reduktion und mit diesem herbeigeführten Stress umzugehen und kommt dann unter wieder normalen Verhältnissen in einen verbesserten Funktionszustand. „Im Alltag geht es den Menschen dann besser.“ Peggers aktuelle technische Ausstattung erlaubt ein künstliches Höhentraining bis etwa 5000 Meter Seehöhe, theoretisch lässt sich das bis 8000 Meter erweitern, was auch für Höhenbergsteiger mit Zeitmangel interessant ist, die die Akklimatisierung für Expeditionen verkürzen wollen. Mit Spitzensportlern geht Pegger bei superharten Intervallen bis etwa 4800 Meter. Für normales Ausdauertraining reichen 2400 bis 2500 Meter. Die auch real leicht erreichbare Seehöhe von 1500 bis 2500 Meter bezeichnet Pegger übrigens als „alpines Medical Wellness“, wie sie auch in vielen höhergelegenen Tourismusorten Österreichs als Benefit angeboten wird. Das nutzen Anbieter wie das Alpinhotel Pacheiner auf der Gerlitzen in Kärnten, wo der Fitnessraum auf 1900 Meter auch Topsportler anzieht. „Wir hatten vor der Tour de France sogar den Weltklassesprinter Mark Cavendish bei uns heroben“, freut sich Hausherr Franz Pacheiner. Weitere Bereiche, in denen Pegger gute Erfahrungen mit Patienten gemacht hat, sind Stoffwechselerkrankungen wie DR. CHRISTIAN PEGGER Allgemeinmediziner mit Praxen in Innsbruck und Axams, Experte für Sport-, Alpin- und Höhenmedizin, Arbeits- und Notfallmedizin. www.pegger.at SPORTaktiv 35

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