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SPORTaktiv August 2021

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KLIMASCHONEND URLAUBEN

KLIMASCHONEND URLAUBEN ES KOMMT NUR NOCH AUFS TUN AN WELCHEN ÖKO- UND KLIMAFUSSABDRUCK HINTERLÄSST EIGENTLICH (M)EIN URLAUB? DAS FRAGEN SICH IMMER MEHR MENSCHEN. OUTDOORSPORTLER GENAUSO WIE TOURISMUSANBIETER. LOKALAUGENSCHEIN IN ZWEI ALPINEN URLAUBS REGIONEN, DIE BEIDE BIS 2030 „KLIMANEUTRAL“ SEIN WOLLEN. VON CHRISTOF DOMENIG 100 SPORTaktiv

Foto: Flims Laax Falera/Philipp Ruggli Die Schweizer Berge der Region Flims Laax Falera haben den Status als UNESCO-Weltnatur erbe. Im Tal darunter laufen jede Menge Anstrengungen, dass die Welt so (er-) lebenswert bleibt. Balkontür auf am frühen Morgen, herein weht der Duft von Nadelwald. Und herrlich kühle Luft. Ein wohltuender Kontrast nach mehreren Hitzewochen daheim im urbanen Asphaltdschungel, wo (gefühlt) jeder letzte Flecken Grün dem nächsten Bauprojekt weicht. Auf der „Katschberghöhe“ auf 1640 m, im Grenzgebiet zwischen Kärnten und dem Salzburger Lungau, von wo aus man als Sportler sommers wie winters in die Berge startet: Hier wird man auch in einigen Jahrzehnten noch wenig von brütender Sommerhitze spüren. Dennoch machen sich die Katschberger Gedanken über die Erderhitzung. 20 touristische Betriebe der Region haben sich unter der Führung des Hoteliers Wolfgang Hinter egger („Das Katschberg“) sowie des Kärntner Unternehmers Anton Aschbacher zur Initiative „Region Klimaberg Katschberg“ zusammengeschlossen. Ziel: möglichst nachhaltigen Urlaub anbieten. Und: „Klimaneutralität bis 2030“ erreichen. Der Weg dorthin wurde Anfang Juli mit dem „1. Klimaberg Summit“ eröffnet, einem viertägigen („Green“) Event inklusive internationalem Symposium, das sich der Frage widmete, wie sich Tourismus in Alpinregionen möglichst umweltfreundlich mit kleinem CO2-Fußabdruck gestalten lässt. Zwei Wochen darauf, Schauplatz Flims Laax Falera in der Schweiz. Andere Location, gleiches Ziel. Die Schweizer Region ist vor allem im Winter als Ziel eines überwiegend jungen Freestyle- und Snowboard-Publikums bekannt, aber auch als Mountainbike- und Wanderdestination im Sommer. Sie will ebenfalls bis 2030 klimaneutral sein und ebensolche Urlaube anbieten. Da wie dort, in der Schweiz wie am Katschberg, gehen die Bestrebungen von Unternehmen aus: In der Schweiz von der „Weiße Arena Gruppe“, zu der die lokalen Bergbahnen sowie mehrere Hotels, Restaurants und weitere Betriebe gehören. Die „WAG“ beschäftigt seit elf Jahren einen Nachhaltigkeits-Beauftragten, Reto Fry, der den möglichen Weg in Richtung Klimaneutralität kennt und berechnet hat. Nicht nur für das Unternehmen, sondern für die gesamte Region. Was heißt das eigentlich: „klimaneutral“ bzw. CO2-neutral? Das haben wir bei der „Kompetenzstelle für Klimaneutralität“ der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien nachgefragt. In Kurzform: Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und die Erderwärmung auf maximal 2, besser 1,5 Grad zu begrenzen, müssen CO2-Emissionen in allen Bereichen sehr deutlich reduziert werden. Möglichst auf null. Das Wort „neutral“ heißt nun: In der „Bilanzsumme“ stehen null CO2-Emissionen, erklärt Joachim Thaler von der BOKU- Kompetenzstelle. Allerdings gibt es dabei auch einige Unschärfen. Eine einheitliche Definition gibt es nämlich – noch – nicht, erklärt Thaler, diese wird soeben ausverhandelt. Worüber aber Einigkeit herrscht, ist, wie der „seriöse Weg“ in Richtung Klimaneutralität aussieht: Über CO2 vermeiden – reduzieren – kompensieren, in dieser Reihenfolge. Was heißt dabei Kompensation? Da ein vollständiges Vermeiden von klimaschädlichen Emissionen in allen Bereichen nicht realistisch ist, gibt es auch die Möglichkeit, Klimaschutzprojekte finanziell zu unterstützen, sodass die Menge an CO2, die verursacht wird, an einer anderen Stelle der Welt zugleich gebunden oder vermieden wird. Derzeit dürfen sich auch Unternehmen, die lediglich kompensieren, aber keine Schritte zur Vermeidung und Reduktion schädlicher Emissionen setzen, als „klimaneutral“ bezeichnen. Ein Weg, der von Kritikern als moderner „Ablasshandel“ gesehen wird. Was unbestritten ist: Für einzelne Unternehmen ist es einfacher die „Null-Emissionen“-Bilanzsumme zu erreichen als für ganze Regionen, wo viele Player und Entscheider gemeinsam mitspielen und an einem Strang ziehen müssen. Oder überhaupt für ein ganzes Land: Österreich will bis zum Jahr 2040 Klimaneutralität erreichen – so steht es im aktuellen Regierungsprogramm festgeschrieben. Kündigen Tourismusregionen an, bis 2030 klimaneutral sein zu wollen, dann ist das also schon durchaus ambitioniert. So wichtig Ankündigungen und Absichten auch sind: Entscheidend sind immer die konkreten Schritte, die gesetzt werden, sagt BOKU-Experte Joachim Thaler. SPORTaktiv 101

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