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SPORTaktiv August 2021

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WENN ES BESCHWERLICH

WENN ES BESCHWERLICH WIRD, GEHT MAN AM BESTEN MIT LEICHTEM GEPÄCK. SO WIE MARKUS LIPP, DER JOB, WOHNUNG UND SICHERHEITEN AUF- GEGEBEN HAT, UM EIN HALBES JAHR AUF EINER BERGHÜTTE ZU VERBRINGEN. DORT, WO SICH ARBEIT UND MÜSSIGGANG VERMISCHEN UND WO DIE ABGE- SCHIEDENHEIT DIE GROSSE FREIHEIT BRINGT. MIT UND OHNE ZWIEBELN. VON KLAUS MOLIDOR Fotos: Markus Lipp/KK 114 SPORTaktiv

M idlife Crisis ist so ein blödes Wort“, sagt Markus Lipp und stellt die Fritattensuppe auf den von Wind und Wetter gezeichneten Holztisch. „Aber wenn man selbstreflektiert ist, ist 46 schon ein Alter, in dem man sich noch einmal selbst hinterfragt.“ Das hat der gebürtige Weststeirer getan. Und den Job in der IT-Branche in Wien gekündigt. Die Reißleine ziehen, bevor Körper und Seele Schaden nehmen, das konnte er schon immer. Danach sollte diesmal aber nicht einfach ein neuer Job kommen, sondern Ruhe, Durchatmen, raus aus der hochfrequenten Alltagstaktung, Freizeitstress inklusive. Da ergibt es sich, dass parallel der Mietvertrag ausläuft, den er nicht verlängert. „Da dachte ich mir: cool, das ist jetzt wie ein Computer-Reset. Man drückt einen Knopf und fährt alle Systeme herunter.“ Auf einer Hütte zu arbeiten, war nicht der Plan eigentlich. „Aber ich wollte wirklich weg und auf einer Hütte ist man wirklich weg von allem.“ Ein Freund bringt ihn auf die Eisenerzer Reichensteinhütte. Dort ist zwar keine Stelle ausgeschrieben, Markus Lipp bewirbt sich trotzdem. Er trifft sich mit dem Pächter und nach einer halben Stunde ist alles klar. Weil die Chemie stimmt – und die wichtiger als die beruflichen Fähigkeiten ist, wenn man ein halbes Jahr jeden Tag von früh bis spät zusammen ist. Also kündigt er auch Versicherungen, schneidet wirklich alles durch. Eine Kurzschlusshandlung? Mitnichten. „So etwas kommt einem ja nicht von heute auf morgen in den Sinn, das ist ein Prozess.“ Einer, der vor Jahren damit begonnen hat, dass er Dinge verschenkt und verkauft hat, die er nicht mehr braucht. Kleidung, Ergometer, Möbel. „Ja, ich war konsumorientiert“, gesteht er. „Aber ich wollte lieber etwas Neues bekommen, als es zu besitzen, insofern kann ich mich auch gut trennen von Dingen.“ Heute passt sein ganzes Hab und Gut „sicher in ein Auto“. Und selbst davon braucht er nicht alles. RESET AM REICHENSTEIN SPORTaktiv 115

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