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SPORTaktiv Bikeguide 2019

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DIE FREIHEIT, DIE ICH MEINE DAS RAD UND ICH. WARUM DAS RADFAHREN IM GELÄNDE IMMER SCHON EINE FASZINATION FÜR MICH WAR UND ES AUCH BLEIBEN WIRD. VON KLAUS MOLIDOR Fotos: iStock, Christoph Heigl W as ist jetzt eigentlich so toll, so schön am Radfahren im Gelände? Ist es nicht nur anstrengend? Ist es die meditative Wiederholung der Tritte, das eigene Schnaufen, die Vögel, die Geräusche des Waldes, der Wind in den Blättern? Oder das Schaffen, das Tun, das Vordringen in Sphären, die eigentlich nicht dem Fahrrad vorbehalten sind? Das Rad, das war für mich schon immer Freiheit, ein im Prinzip einfaches Ding, das starke Emotionen auszulösen vermag. Zwei meiner schönsten und einprägsamsten Kindheitserinnerungen verdanke ich dem Fahrrad. Die erste: Ende der 1970er-Jahre im Volksgarten in Graz. Ich auf einem weißen Kinderrad mit rotem Sattel, mein Papa einen halben Schritt dahinter, die Stützräder daheim im Keller. „Uuund treten, treten, treten“, höre ich meinen Vater reden, die rechte Hand am Sattel, um mir das Gleichgewicht zu ermöglichen. „Treten, treten, treten“, höre ich, bis ich mich mutig in eine Linkskurve lege und sehe: Der Papa steht schon 20 Meter weiter hinten. „Ich kann Rad fahren“, durchzuckt es das Hirn des schmächtigen End-Vierers. Freiheit, der erste Schritt in die Selbstständigkeit, eine unglaubliche Ausweitung des Aktionsradius. Unvergessen, auch fast 40 Jahre danach. Die zweite Erinnerung: das erste BMX. Wolltest du in den 1980ern was gelten, war dieses „Bicycle Moto Xross“ unerlässlich. An einem sonnigen Samstagvormittag war es so weit. Ein Traum in Schwarz mit gelben Polstern am Lenker und am Oberrohr. Und erst die Fahrt vom kleinen Fahrradgeschäft nach Hause. Alleine durch enge Gasserln, alleine, obwohl ich weder 12 Jahre alt war noch den Fahrradschein hatte. Die Brust weit von der Freiheit, der Kopf voll Glück. Von da an war das Ding bei jedem Sonntagsspaziergang und bei vielen Wanderungen dabei. Rad fahren, wo andere „nur“ gehen. Durchs herbstliche Laub rascheln, durch den Gatsch pflügen. Später dann im Dunkeln auf der nahen Baustelle mit Freunden im Schnee herumkurven, kleine Hügel rauf und runter, zarte Sprungversuche. Am Ende immer das Gefühl, etwas geschafft zu haben, das man noch nie gemacht hat. Eine Welt betreten zu haben, zu der nicht jeder Zugang hatte. „Great things never came out of comfort zones“, hab ich kürzlich auf einem Häferl gelesen. Das trifft es wohl auf den Punkt. Mit dem BMX habe ich die Komfortzone verlassen und bin genau diesen Schritt oder besser Tritt darüber gegangen, der gerade noch schaffbar und gerade kein Klacks mehr war. Ich hab den Flow gespürt, ehe der „Flow“ gewusst hat, dass es mich gibt. Dann kamen die 1990er und mit ihnen andere Ablenkungen, Interessen und vor allem Mountainbikes. Sportgeräte, die ich als BMXler abgelehnt habe. Radfahren war für mich Mittel zum Zweck geworden. Leidenschaft sieht anders aus. Erst mit meinen Söhnen hab ich mich dann zu einem Mountainbike überwunden und wieder sanft, sehr sanft begonnen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Biken würde ich das nicht nennen. Aber so ganz langsam ist die alte SPORTaktiv 149

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