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SPORTaktiv Bikeguide 2019

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DIE REPUBLIK| OHNE

DIE REPUBLIK| OHNE GRENZEN| BEST PRACTICE IM MOUNTAINBIKE-SEGMENT: IN SÖLDEN HAT MAN KEINEN BIKEPARK GEBAUT, SONDERN EINE REPUBLIK MIT WITZIGER IDENTITÄT ERSCHAFFEN. MIT REISEPASS, VISASTEMPEL, STAATSFEIERTAG, HYMNE UND BIER. UND MAN VERGISST DIE EINHEIMISCHEN NICHT. VON CHRISTOPH HEIGL Dominik Linser schaut aus seinem Büro im ersten Stock der Tourismuszentrale Sölden. Der vom Skiweltcup bekannte Rettenbachferner und die durch James Bond („Spectre“) berühmte Bergstation sind in Griffweite, die Skipisten führen bis vor die Haustür. Der Söldener Destinationsleiter weiß: Oben ist noch meterweise Schnee, im Tal herunten auf 1377 Metern Seehöhe wird in den nächsten Wochen aber die Metamorphose stattfinden vom Skiort zum Wander- und Biker-Hotspot. Die Baupläne auf Linsers Schreibtisch stapeln sich, Mander, ’s isch Zeit. Linser, ein Einheimischer, früher Langläufer, dann selbst Mountainbiker, ist einer der Gründungsväter der Bike Republic. Den eigentlichen Startschuss zum Bikeboom gab zunächst die geforderte Fusion der Tourismusverbände im Tal von sieben auf einen. Das Schärfen der Profile forderte von jedem Ort ein zweites Sommerstandbein neben dem Wandern. Sölden schnappte sich das Mountainbiken, immerhin hatte man eine Handvoll legaler Trails. Mit dem Tiroler MTB-Modell als Basis (u. a. Versicherungsschutz und ein kleines Entgelt) und einem Stapel Verträgen in den Händen klapperte eine kleine Gruppe die Grundbesitzer ab, Stück für Stück wuchsen die legalen Abschnitte. „Ich habe in fünf Jahren 400 Einzelverträge abgeschlossen“, erzählt Linser vom nicht immer einfachen Prozedere. Linser begann als einziger Angestellter der Republik, mittlerweile hat das Kernteam (Administration, Management, Bautätigkeit) vier Köpfe. Know-how kam von den Destinationen-Entwicklern von Allegra, der Bike-Verband IMBA schickte die besten Traildesigner der Welt. Für das Bauen und Pflegen der Trails hat man 20 Mitarbeiter, am Höhepunkt der Bautätigkeiten können es auch bis zu 60 sein – seit 2017 wird Sölden als größte Trailbaustelle der Welt bezeichnet. Schlüsselkriterien: Man baut ökologisch nachhaltig, massentauglich und in gutem Einvernehmen mit Landwirtschaft und Naturschutz. Rasantes Wachstum Die Bike Republic hat mittlerweile eine beachtliche Größe (siehe Infobox). 2014 begann man mit dem Budget von einer Million Euro, einem Lift und 37 Kilometer Trails. Auf Anhieb schaffte man über den ersten Sommer 50.000 Liftfahrten von Bikern. Die Zuwächse waren atemberaubend, 2018 hatte man schon 140.000 Fahrten auf drei Liftanlagen. Bis 2020 werden noch einmal zwei Millionen Euro investiert (Gesamtsumme dann schon 6,7 Mio. Euro), dann hat die Republik 82 km Singletrails. Mit den bestehenden MTB-Routen im Tal und der TransTimmel-Route übers Timmelsjoch nach Italien ein Eldorado des Fotos: Bike Republic/Rudi Wyhlidal, Chr. Heigl 16 SPORTaktiv

IM GESAMTEN ÖTZTAL 850 KM BIKESTRECKEN (46 TOUREN – 7 LEICHTE, 21 MITTLERE, 18 SCHWERE) BIKEN BIS AUF 2666 METER 6 LIFTANLAGEN 33 KM NATURTRAILS (15 STRECKEN) BIKE-OPENING: 7. BIS 10. JUNI 30.000 HÖHENMETER www.bikerepublic-soelden.com 42 KM GEBAUTE TRAILS (ACHT SHAPED LINES) 11 VERLEIHSTELLEN 2 PUMPTRACKS Bikens. Finanziert werden die Projekte der Republik durch die Einnahmen der Liftkarten (Tageskarte 39 Euro) und den Infrastrukturtopf, der durch einen „Nächtigungseuro“ aus den 2,4 Millionen jährlichen Nächtigungen (Sölden ist die Nummer 2 in Österreich hinter Wien) gefüttert wird. Für Linser ist entscheidend, dass die MTB-Strecken nicht allzu schwer sind. SPORTaktiv 17

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