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SPORTaktiv Bikeguide 2019

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„ UNSERE ZIELE SIND,

„ UNSERE ZIELE SIND, NICHT AUFZUGEBEN UND DASS UNSERE FREUNDSCHAFT NICHT ZERBRICHT. FABIO (22, RECHTS) UND ELIAS (19) „ 162 SPORTaktiv

NEXT STOP TOKIO ZWEI JUNGE STEIRER RADELN VON GRAZ NACH JAPAN. MIT VIELEN FRAGEZEICHEN, EINEM ZELT UND EINEM EURO PRO KILOMETER. SPORTAKTIV BEGLEITET SIE AUF IHRER 14.000 KILOMETER LANGEN REISE. TEXTLICH, WOHLGEMERKT. VON CHRISTOPH HEIGL Fotos: www.graz-tokyo.at Die Statements machen neugierig. „Wir sind davon überzeugt, dass viele Menschen unerfüllte Träume in sich tragen und sie nur deswegen nicht leben, weil die Gesellschaft etwas anderes von ihnen erwartet. Wir wollen den Menschen aufzeigen, dass es essenziell ist, seine Träume zu verwirklichen.“ Bumm, das sitzt. Und es geht weiter. „Wir sind der Meinung, dass in jedem Menschen mehr steckt, als er sich selber zutraut. Die Angst vor dem Scheitern und der innere Schweinehund stehen einem meistens im Weg.“ Diese Sätze stammen nicht von renommierten Philosophen oder weisen Gesellschaftskritikern. Sie finden sich auf der Homepage von Elias Trenn (19) und Fabio Lang (22), zwei aufgeweckten Burschen aus Graz. Dass viele ihrer Alterskollegen gerade normale gesellschaftskonforme Pfade (Beruf, Studium etc.) betreten, nehmen sie zum Anlass, genau das Gegenteil zu machen. Schauplatz Ostungarn, nahe der rumänischen Grenze bei Oradea. Fabio und Elias sind am 10. März vom Grazer Uhrturm in Richtung Japan, also in Richtung Oststeiermark, aufgebrochen. „Wir sind ganz gut vorangekommen“, berichten die beiden. Geschlafen wurde bislang nur im Zelt. „Das Wildcampen war die ersten Tage sehr ungewöhnlich, wir hatten ständig Angst, dass uns jemand erwischt. Mittlerweile fühlen wir uns sicher, es ist zur Routine geworden“, schreiben sie. „Zweimal hatten wir das Glück, zu Kaffee eingeladen worden zu sein. Aus der zweiten Einladung wurde ein Abendessen und eine Übernachtung. Attila und seine Freundin zeigten uns, was ungarische Gastfreundschaft bedeutet.“ Nämlich: das Nationalgetränk Palinka. Doch auch erste Sorgenfalten gibt es: Fabios Steißbein und Knie schmerzen und sind angeschwollen, eine Zwangspause wurde nötig. Dinge, die sie daheim vergessen haben (Wasserfilter, ein weiterer Wassersack und Halstücher) wurden ihnen dabei nachgeschickt. Die Reise dauert noch lange. Die etwas anderen Typen SPORTaktiv-Leser kennen und schätzen unsere Porträts von Sportlern oder auch ganz normalen Menschen, die Außergewöhnliches leisten. Die meisten haben sehr konkrete Vorstellungen, einen ausgetüftelten Plan, besondere körperliche Fähigkeiten. Unsere zwei Burschen haben das alles nicht. Sie haben vor allem eines: ganz viel Abenteuerlust. „Unsere Ziele sind, nicht aufzugeben und dass unsere Freundschaft nicht zerbricht“, sagt Fabio und schaut zu Elias. Sie kennen sich aus Volksschulzeiten. Möglichst viele Länder wollen sie auf der Reise nach Tokio erleben und möglichst viele Kulturen. Ihre Motivation muss sehr stark sein, denn sie lassen sich relativ bedenkenlos in das Abenteuer ein. Vor dem Start der 14.000 Kilometer langen Strapaz nach der bislang längsten Radfahrt ihres Lebens befragt, sagt Fabio: „55 km. In die Südsteiermark.“ Fitnesscenter, Muskeltraining, Ergometerradeln über den Winter? Fehlanzeige. Elias kann zumindest auf gute DNA bauen, denn sein Papa ist früher durch den Jemen geradelt und bis nach England. „Insofern haben meine Eltern wohl geahnt, dass ich so was auch einmal machen will“, grinst der großgewachsene Blondschopf. „Gemischte Reaktionen“ will Fabio aus seinem Umfeld erhalten haben. „Manche finden das voll cool, aber meine Großeltern haben echt Bedenken und Angst. Die vielen fremden Länder!“ Gerade so was spornt die Jungs aber an. „Erfüllt eure Träume!“ steht auf der Website über einem Bild mit der auf eine Weltkarte SPORTaktiv 163

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