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SPORTaktiv Bikeguide 2019

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SPIELBERGWEG 207 WALTER

SPIELBERGWEG 207 WALTER UND SABINE HÖLL GENIESSEN MIT IHREM SPIELBERGHAUS IN SAALBACH KULTSTATUS ALS MOUNTAINBIKE- GASTGEBER. TOCHTER VALI HÖLL IST MIT 17 GERADE DABEI, DIE DOWNHILL-WELT NIEDERZUREISSEN. HÖCHSTE ZEIT, DER FAMILIE HÖLL EINEN BESUCH ABZUSTATTEN. VON CHRISTOF DOMENIG A uch ein Navi kann irren und beispielsweise einen Weg, der im Sommer nur mit Bike und im März nur zu Fuß und unter Lawinengefahr bewältigbar ist, als Straße ansehen. Womit man, wenn man „Spielbergweg 207“ in Saalbach eingegeben hat, in Hochfilzen strandet. Also nicht nur im falschen Ort, sondern wenn schon, denn schon, im falschen Tal und falschen Bundesland. „Du bist aber nicht der Erste, dem das passiert ist“, versichern Walter und Sabine Höll. 50 Kilometer Umweg, eine kurze Skidoo-Fahrt und eine gute Stunde später sitzen wir in der Lounge ihres Spielberghauses auf 1311 m Höhe. Walter und Sabine sind Pioniere als Bike-Gastgeber. Begonnen hat alles mit einer „extrem einfachen Skihütte“, erzählt Walter. 1992, damals 23-jährig, war er als Mountainbike-Animateur auf Kreta, als ein Anruf kam – sein Vater war krank geworden: „Ich bin im Sommer heim zum Helfen und hab schon im September die Hütte übernommen.“ Die Sommersaisonen liefen in den 1990er-Jahren mehr schlecht als recht. Bis der Steuerberater den Hölls empfahl, den Sommer über lieber gleich zuzusperren. Oder sich etwas zu überlegen, was Walter und Sabine Höll auch taten. An Mountainbiker als Zielgruppe dachte damals noch niemand. „Wir waren aber beide immer schon Biker, also haben wir das halt versucht.“ Die ersten Pauschalen und Guiding-Angebote lösten noch keinen Ansturm aus. Durch „netzwerken, auf jedem Festival dabeisein“ wurden die Bikergäste Fotos: Spielberghaus/Familie Höll 60 SPORTaktiv

aber dennoch immer mehr. Was heute Social Media übernimmt, lief damals noch oldschool als Mundpropaganda. So kam der Stein dann eben ins Rollen ... „99 Prozent Biker“ 2005 hatte das Spielberghaus 250 Übernachtungen im Sommer, erzählt Walter Höll, jetzt sind es jährlich rund 3000 – was bei 18 Zimmern mit 45 Betten schon eine sehr gute Auslastung bedeutet. „Und 99 Prozent der Gäste sind Mountainbiker.“ Ebenfalls 2005 wurde ein Trip nach Whistler zur wichtigen Inspiration für die Hölls: „Auf dem Heimflug war mir klar: Ich muss selber einen Trail bauen“, erzählt Walter. Resultat war der Höllentrail – „und wir waren wahrscheinlich die erste Hütte mit eigenem Trail“. Klar ändert sich in einem immer noch jungen Sport wie dem Mountainbiken einiges in knapp zwanzig Jahren – also der Zeitspanne, seit das Spielberghaus im Sommer die Biker anzieht. Am Anfang kamen Gäste, die stolz auf ihre aus dem Sperrmüll gefischten und danach eigenhändig aufgebauten Bikes waren. Heute seien die Räder der Gäste im Schnitt wohl um die 3000 Euro wert. Anderes bleibt aber auch bestehen: Dass Gäste und Gastgeber im Spielberghaus – logisch – das gemeinsame Hobby verbindet, und dass es genau das ist, was die Community besonders schätzt. Walter und Sabine wiederum schätzen speziell an ihren bikenden Gästen, dass sie im Vergleich zu Skifahrern kein Halligalli brauchen – Stichwort „Après-Ski“. „Aber auch ich musste früher oft bis drei in der Früh mit unserer Handvoll Gäste zusammensitzen.“ Die Mountainbiker seien Naturgenießer, wollten biken und mit Gleichgesinnten zusammensein und sie seien SPORTaktiv 61

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