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SPORTaktiv Februar 2019

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ALLES EINEN TAG LANG

ALLES EINEN TAG LANG NULL KALORIEN, AM NÄCHSTEN TAG NULL BESCHRÄNKUNG: ES KLINGT NACH CRASHDIÄT, IST ABER WISSEN- SCHAFTLICH BEGRÜNDET. „INTERVALLFASTEN“ FINDET IMMER MEHR ANHÄNGER UND IST AUCH FÜR FREI- ZEITSPORTLER SINNVOLL. VON CHRISTOF DOMENIG ODER NICHTS 30 SPORTaktiv

Fotos: iStock, Stekovic.com Einen Tag Nulldiät und am nächsten Tag alles essen, was man will, in unbeschränkter Menge. Diese Darstellung von „Intervallfasten“ ist natürlich etwas verkürzt, stimmt aber im Kern. Für Ernährungsinteressierte klingt die Kurzformel zunächst schräg, radikal und für Menschen maßgeschneidert, die sich den mühsamen Weg einer Ernährungsumstellung ersparen wollen. Doch es stecken wissenschaftliche Erkenntnisse dahinter, die nahelegen, dass Intervallfasten durchaus mehr ist als ein weiterer (oft ungesunder) Diät-Hype. Forschungen von Mikrobiologen der Karl-Franzens-Universität Graz zum Thema Zellalterung, die in Zusammenhang mit Intervallfasten durchgeführt wurden, haben weltweite Beachtung gefunden. Diese Ernährungsform, so legen die Studien nahe (die übrigens auch mit der Med-Uni Graz gemeinsam durchgeführt wurden und werden), könnte tatsächlich ein Schlüssel zum langen und vitalen Leben sein. Dr. Slaven Stekovic gehörte bis vor Kurzem der Grazer Forschergruppe, geleitet von Dr. Frank Madeo an – und Stekovic hat 2018 ein Buch zu diesen jungen Erkenntnissen der Zellforschung veröffentlicht: „Der Jungzelleneffekt“. Zur Fastenzeit passend wollen wir mit dem seit Herbst 2018 in Cambrigde in England tätigen Wissenschafter die Erkenntnisse rund ums Intervallfasten zusammenfassen. Stekovic ist überzeugt, dass der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme bisher in der Ernährungslehre zu wenig Beachtung gefunden hat. Acht Fragen – acht interessante Antworten. 1. WAS IST INTERVALLFASTEN? Intervallfasten, intermittierendes Fasten oder Kurzfasten: Die Bezeichnungen sind unterschiedlich, gemeint ist stets dasselbe – eine Ernährungsweise, bei der sich Phasen, in denen normal gegessen wird, mit restriktiven Fastenphasen abwechseln. Die Wissenschaft geht davon aus, dass der Körper hier noch im Steinzeitmodus funktioniert, wo die Nahrungsversorgung unregelmäßig und beispielsweise vom Jagderfolg abhängig war. Beim Intervallfasten können zum Beispiel ein, zwei oder drei Fastentage pro Woche, alternierend mit Esstagen, eingelegt werden. Ein anderes Konzept beschränkt die Nahrungsaufnahme auf acht Stunden pro Tag, um dazwischen 16-stündige Fastenphasen zu erreichen. 2. DR. SLAVEN STEKOVIC ist 29, Mikrobiologe, lehrt und forscht zum Thema Alterung und Gesundheit. Bis Herbst 2018 am Institut für Mole kulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz, seither in Cambridge, England. stekovic.com WELCHEN VORTEIL BRINGEN DIE KURZEN FASTENPHASEN? Im Mittelpunkt des Intervallfastens steht ein Vorgang in den Körperzellen, den man noch nicht lange nachweisen kann: „Autophagie“. Stekovic beschreibt ihn als „Aufräumprozess“ in der Zelle. Stark vereinfacht erklärt: Werden Zellen mit Energie versorgt, sind sie mit dem Umwandeln der Energieträger ausgelastet; „Abfallprodukte“, die entstehen, werden in der Zelle zwischengelagert und bleiben dort liegen. Gönnt man den Zellen zwischen der Nahrungsaufnahme längere (Fasten-)Pausen, setzt Autophagie ein: Der „Zellmüll“, zum Beispiel aus defekten Proteinen und Mitochondrien bestehend, wird verwertet, die Zelle sozusagen entrümpelt. Dieses „Zellrecycling“ scheint wesentlich zu sein, um der Zellalterung und daraus entstehenden Krankheiten entgegenzuwirken. Sozusagen ein „innerer Jungbrunnen“. Doch abgesehen vom Prozess der Zellreinigung (für dessen Erforschung der Japaner Yoshinori Osumi 2016 den Nobelpreis erhielt) berichten viele Intervallfastende von zahlreichen unmittelbar spürbaren positiven Effekten physischer und psychischer Natur. Dass sich das Körpergewicht durch regelmäßiges Kurzfasten meist auf ein gesundes Maß einpendelt, „ist ein angenehmer Nebeneffekt“, so Stekovic. SPORTaktiv 31

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