Aufrufe
vor 11 Monaten

SPORTaktiv Februar 2020

  • Text
  • Profisport
  • Triathlon
  • Biken
  • Fitness
  • Outdoor
  • Bewegung
  • Sport
  • Februar
  • Magazin
  • Menschen
  • Laufen
  • Sportaktiv

DAS RAD DREHT SICH

DAS RAD DREHT SICH WEITER Für die Produktion von Fahrrädern braucht es viel Know-how. Das findet man vorwiegend in Asien. Nachhaltigkeit ist in der Sportbranche das Thema der Stunde. Diskussionen um Klimawandel, Fairness, vegane Ernährung, von Ethik und Moral geleitetes Kaufverhalten, ökologische Produktionsbedingungen und Mobilitätsvisionen haben sich bei der größten Sportartikelmesse, der ISPO in München, wie ein „grüner Faden“ durch die Messehallen gezogen (siehe unseren Bericht im FIT-Teil). Auf der Eurobike-Messe im Jahr 2019 war das Thema auch in der Radbranche spürbar. Eher noch im Ausrüstungs- und Bekleidungsbereich, aber Diskussionen um die Produktion von Carbon- und Aluminiumprodukten in Fernost (im Fokus: die Rahmen) hatten die Branche längst erreicht. Bis auf in Kleinstserien produzierende Nischenanbieter bezieht die gesamte Szene ihre Rahmen seit Jahrzehnten aus China und Taiwan. Doch auch dort steigen allgemeiner Wohlstand und Umweltauflagen. Die Produktionsbedingungen unter im Vergleich zu Europa günstigeren Vorzeichen Fotos: iStock, Christoph Heigl 130 SPORTaktiv

DAS FAHRRAD STEHT FÜR NACHHALTIGKEIT, GRÜNE MOBILITÄT UND GESUNDHEIT. DIE REALITÄT IN DER PRODUKTION IN ASIEN SCHAUT OFT ANDERS AUS. DAS RUFT DIE EU AUF DEN PLAN UND HAT DIE ÖSTERREICHISCHE MARKE WOOM ERREICHT, DIE JETZT MIT TRANSPARENZ PUNKTET UND IN DIE OFFENSIVE GEHT. VON CHRISTOPH HEIGL werden schwieriger, weshalb chinesische und taiwanesische Produzenten mit Subfirmen in noch ärmere Länder auswandern, wo sie ihrer Einschätzung nach „produktionsfreundlichere Konditionen“ vorfinden. Zudem werden Einfuhren aus China und Taiwan in die EU mittlerweile mit hohen Strafzöllen belegt. So werden Laos, Vietnam, Kambodscha und Nord-Thailand zu Orten der Begierde. Das Rad dreht sich munter weiter. Die Produkte für uns in Europa bleiben billig, nur vor Ort in den Fabriken werden die Bedingungen nicht besser. Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards sind in diesen Ländern nicht ganz oben auf der Agenda, vor allem die Zustände in der Textilindustrie sind ständig in den Medien. Nur ganz wenige westliche Fahrradproduzenten können aus diesem Karussell aussteigen. Von den Großen, die auf riesige Stückzahlen und günstige Preise für den Endkunden angewiesen sind, keiner. Möglich ist die Produktion z. B. in Europa nur für jene Nischenmarken, die auf wieder im Trend liegende Handarbeit mit Schweißgerät und Co. setzen und Radrahmen aus edlem Stahl oder Titan brutzeln. Doch das sind nur ganz, ganz wenige, wie etwa die Engländer von „Stanton Bikes“, die ihre Produktion vom fernen Taiwan gerade zurück auf die britschen Inseln in die nebligen Derbyshire Dales ins Örtchen Tansley verlegt haben. Englische Handarbeit, dementsprechend exklusiv, die Klientel greift da gerne ein bissl tiefer ins Börserl. So können kleine Rahmenschmieden in Italien, Frankreich und England am Markt bestehen. Billige Serienproduktion findet am anderen Ende der Welt statt. „Made in Cambodia“. Dieser Kleber ziert viele Räder, die aus Fernost in Europa landen. Im Jahr 2018 waren es 1,5 Millionen Räder für den gesamten EU- Raum, davon 560.000 für Deutschland. Kein Land liefert mehr Fahrräder nach Deutschland als Kambodscha, schreibt Zacharias Zacharikis im Dezember 2019 in einer aufsehenerregenden Reportage für „DIE ZEIT“. Der Wirtschafts- und Gesellschaftsredakteur war in Kambodscha und hat im Vertrauen mit Arbeitern von Fabriken gesprochen, in denen Fahrradrahmen hergestellt werden. Das Bild war ernüchternd: Von oft nur 5,50 Euro Taglohn war die Rede, kaum langfristige Verträge, kein Urlaub, totale Erschöpfung, schlechte Ausbildung, handwerklich fragwürdige Fertigung. Die Geschäftsführungen vor Ort bestritten die Vorwürfe vehement. Auch die Cambodian Bicycle Coalition als Zusammenschluss der drei großen Fabriken vor Ort in Bavet stellte in einer Presseaussendung Punkt für Punkt klar, dass die Schilderungen im Artikel nicht korrekt sind. Besonders brisant war der Zeit-Artikel für den deutschen Markt dennoch, weil in jenen Fabriken u. a. Räder für die große „Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft ZEG“ aus Köln (u. a. mit den Marken Bulls, Pegasus) und früher für die bekannte Marke Cube hergestellt werden, die am europäischen Markt mit hoher Qualität und hohen Standards werben. SPORTaktiv 131

Magazin

SPORTaktiv April 2016
SPORTaktiv 1 2016
SPORTaktiv Bikeguide 2016
SPORTaktiv Laufguide 2016
SPORTaktiv Winterguide 2015