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SPORTaktiv Februar 2020

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GAME CHANGERS FAKE ODER

GAME CHANGERS FAKE ODER FAKTEN? WER HÄTTE DAS GEDACHT? DAS THEMA ERNÄHRUNG IST IM STREAMING-ZEITALTER ANGEKOMMEN. NETFLIX HAT MIT „THE GAME CHANGERS“ VEGANE ERNÄHRUNG ZUR POPKULTUR GEADELT UND ERREICHT DABEI VOR ALLEM EINE JUNGE ZIELGRUPPE. DIE HAT JETZT VIELE FRAGEN. WIE ZUM BEISPIEL: STIMMT DAS ÜBERHAUPT ALLES? VON CHRISTOPH HEIGL 30 SPORTaktiv

Foto: Patrick Baboumian/Netflix Er war selbst Skifans kein Begriff. Und dann schwingt der Schweizer Urs Kryenbühl nach der Weltcupabfahrt von Bormio sensationell als Zweiter ab, stellt sich vor die TV-Mikros und erklärt, seit er „The Game Changers“ gesehen habe, verzichte er komplett auf tierische Produkte und lebe vegan. „Im Skisport kommt es oft auf Nuancen an. Ich habe gedacht, ich probiere das einmal. Es war der richtige Schritt“, strahlte der junge Mann. Statt Käse und seinem Lieblingsessen Cordon bleu gebe es nun Gemüse aus dem Wok, Kartoffeln und Reis, statt Kuhmilch eben Mandelmilch. Das war neue Nahrung für den Hype um die US-Doku „The Game Changers“ (siehe Infobox). Revolutionäre Aufklärung im Streamingdienst Netflix oder veganer Propagandafilm? Die Geister scheiden sich. Viele Blogs und Experten widmen sich dem Thema, das dank hoher Zugriffe auf die Doku und die verkaufsbasierte Website viel Gesprächsstoff für junge Zielgruppen in Schulklassen, Sportvereinen und für alle Gesundheitsinteressierten liefert. Das Thema emotionalisiert, aber es hagelt Kritik. Die Doku, die spektakulär gemacht und geschnitten ist (Produzent ist niemand geringerer als Titanic-Regisseur James Cameron), sei zu plakativ und wissenschaftlich nicht genau genug in der Feststellung, dass vegane Ernährung jener aus tierischen Produkten überlegen sei. Grund genug für SPORTaktiv, unsere Experten an den Tisch zu holen. „Mich hat die Doku dazu motiviert, mich noch genauer mit dem veganen L ifestyle und einer pflanzenbasierten Ernährung zu beschäftigen“, erzählt Sportund Ernährungsmediziner Robert Fritz von der Sportordination in Wien. „Ich habe mit vielen Menschen über die Doku gesprochen und sie hat sehr viele dazu gebracht, einen Versuch zu starten. Bei manchen hat es funktioniert, andere haben es nicht umsetzen können.“ Schon davor hatte Fritz aber Erfahrungen. „Ich betreue seit Jahren Hobby- und Hochleistungssportler, die vegan leben, und ich kann sagen, dass diese Lebensweise absolut mit einer hohen sportlichen Leistungsfähigkeit kombiniert werden kann. Die Doku ist aber viel zu reißerisch aufgebaut und versucht, das Thema nur schwarz-weiß zu färben.“ So kommen etwa Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, Arnold Schwarzenegger, Jackie Chan (auch Co-Produzent) und viele höchst erfolgreiche Sport- THE GAME CHANGERS US-Dokumentarfilm (2018) über die Vorteile veganer Ernährung anhand vieler Beispiele aus dem Profisport; Produzent: James Cameron (u. a. Terminator, Titanic, Aliens, Avatar). Seit September 2019 weltweit via Streaming auf Netflix abrufbar, in 190 Ländern zu sehen, in Österreich auf Anhieb in den Top-5 der Netflix-Dokus. Story: Die Doku wird vom ehemaligen englischen Kampfsportler und Elitesoldaten-Trainer James Wilks (41) erzählt, der der Frage nachgeht, ob eine ausreichende Proteinzufuhr, Leistungssteigerung und optimale Gesundheit nicht auch mit ausschließlich veganer Ernährung gewährleistet werden kann. Im Film trifft er auf Promis, Top-Sportler und Experten, die ihn in seiner Meinung bestärken. Mitwirkende: u. a. Arnold Schwarzenegger, Lewis Hamilton, Novak Djokovic, Patrick Baboumian. Kernaussage der Doku: Fleischlose, vegane Ernährung macht Menschen gesünder, sportlich leistungsfähiger und verringert das Krebsrisiko. Kritik: Die Doku argumentiert nicht wissenschaftlich genug, mit Vereinfachungen, Verkürzungen, Effekthascherei, Halbwahrheiten, verdrehten Fakten und skurrilen Schlussfolgerungen. www.gamechangersmovie.com SPORTaktiv 31

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