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SPORTaktiv Juni 2020

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DIE BEZIEHUNG ZUR NATUR

DIE BEZIEHUNG ZUR NATUR IST BEI VIELEN SICHER ZU KURZ GEKOMMEN. ABER DAS IST EIN UR-BEDÜRFNIS, DAS MAN NICHT UNTERDRÜCKEN KANN UND DAS JETZT WIEDER ERWACHT. die Maske, nicht um sich, sondern um andere zu schützen. Offensichtlich erkennen wir den Sinn dahinter. Wie immer gibt es aber die Gruppe derer, die sich nicht daran halten, das lässt sich nicht vermeiden. Ich sage oft spöttisch, wir haben eben die 95 Prozent der „Normopathen“, die sich an alles halten, und die fünf Prozent der persönlichkeitsgestörten Psychopathen, die alles ignorieren. Österreich hat gut abgeschnitten. Auch das Phänomen des Vernaderns war zu beobachten. Nachbarn und Wirte wurden angezeigt? Warum wird vernadert? Zum Vernadern neigen auch normale Menschen. Wer Angst hat und den ganzen Tag zur Vorsicht aufruft, hat zusätzliche Angst, wenn sich jemand nicht an die Regeln hält. Das ist nachvollziehbar. Bei anderen ist es der Neid auf jene, die sich etwas trauen, was man selbst nicht kann. Und der dritte Faktor ist, wenn die Verhältnisse autoritärer werden. Es ist auch bei uns bei aller Notwendigkeit an den Rand des Demokratischen gegangen. Dann weiß man, dass das Denunziantentum zunimmt. Die Identifizierung mit den Mächtigen geht so weit, dass man andere denunziert. Warum werden manche depressiv, anfällig für Verschwörungstheorien und zeigen den Nachbarn an? Und warum erwacht in manchen Menschen unglaubliche Solidarität? Sie gehen für Ältere einkaufen, nähen Masken oder geben Balkonkonzerte? Woher bezieht das Virus diese Macht? Das Virus hat vieles bewirken können, was vorher 1000 Konferenzen, Appelle, Vorträge, Bücher nicht bewirkt haben. Nehmen wir die Umwelt und die plötzlich sauberen Satellitenaufnahmen: Corona hat mehr bewirkt als alle Konferenzen von Paris bis Rio. Oder bei einem meiner Spezialthemen wie dem Narzissmus: Ich habe oft beklagt, wir leben in einer narzisstischen Zeit mit emotionaler Kälte und Entsolidarisierung. Nix hat‘s geholfen. Das Virus hat das Gegenteil bewirkt, es ist ein anti- narzisstisches Virus. Es hat die Menschen zur Besinnung gebracht, dass es nicht immer höher, weiter, schneller gehen kann und muss. Ist Corona aus psychologischer Sicht vergleichbar mit anderen Krisen? Diese Zeit ist mit nichts vergleichbar. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren wir, also unsere Generation, mit keinen schweren Seuchen, Kriegen und Naturkatastrophen konfrontiert. Große Hilfsbereitschaft haben wir zwar in der Flüchtlingswelle auch erlebt, aber nicht in so einem Ausmaß, da waren es maximal 50 Prozent der Bevölkerung. Aber schon da hat man erlebt, dass große Solidarität in uns steckt. Das Besondere an dieser Krise ist, dass sie nicht regional auftritt, sondern global – und dann erträgt man es scheinbar besser. Wenn es den anderen auch dreckig geht, ist es für uns selber auch leichter zu ertragen. Dazu muss ich noch sagen, dass mir die Politiker von Anfang an sehr leidgetan haben, weil Wissenschaft und Virologen völlig unterschiedliche Daten geliefert haben. Von „die halbe Menschheit wird dahingerafft“ bis zu „a bissl a stärkere Grippe“ war alles dabei, alles dazwischen auch. Da muss jede Entscheidung falsch sein. (Lacht) Ausnahmsweise muss ich die Politiker in Schutz nehmen, sie waren zu bedauern. Ich bin Mediziner und die Wahrheit ist, dass auch die Fachleute noch nicht wissen, wie sich das Virus verhält. In ganz Österreich waren Spazierwege, Wälder, Wanderwege und Berge in den letzten Wochen bevölkert wie noch nie. Überall Paare, Familien, Biker, Läufer. Haben die Wälder als Fluchtort eine neue magische Anziehungskraft? Foto: Reinhard Haller 14 SPORTaktiv

Der Effekt ist alt, aber er ist uns neu bewusst geworden. Die Corona-Krise hat uns auf alles zurückgeworfen, auf unsere Beziehungen, auf unsere Familien, auf unsere Wohnungen, letztlich auf uns selbst. Und wir sind draufgekommen, dass es andere Dinge gibt als noch mehr Erfolg und noch mehr Stress. Die Beziehung zur Natur ist bei vielen in der Vergangenheit sicher zu kurz gekommen. Aber das ist ein Ur-Bedürfnis, das man nicht unterdrücken kann und das jetzt wieder erwacht. Ich empfehle auch jetzt nach wie vor jedem viel frische Luft und Bewegung, das ist wichtig für den Aggressionsabbau, die Verhinderung psychischer Schäden und eine besonders gesunde Form der Selbstheilung. „Wir steigen auf den Berg und sehen unsere Probleme unten im Tal ganz klein“, haben Sie uns im Vorjahr gesagt. Bleibt dieser Effekt dauerhaft oder vergessen wir das in ein paar Monaten wieder und sperren uns wieder freiwillig in unsere Büros, Autos und Wohnungen? Dieser Schock war so groß, weil so global und so anhaltend, dass er einen dauerhaften Effekt haben wird. Viele Menschen haben die Zeit für Besonnenheit genutzt und überlegen: Wo sind die wahren Werte? Was sind die wichtigen Dinge im Leben? Natürlich werden die üblichen Gesetze des Menschseins wiederkommen und bei einigen die Rückkehr in alte Muster, aber der Effekt wird mit großer Breitenwirkung ein bleibender sein. Kaum Autos auf den Straßen, kaum Flugverkehr, Natur pur, Stille, ein entschleunigtes Leben: Viele haben sich über ein Lebenstempo wie in den 60er-Jahren gefreut. Lassen wir uns dauerhaft auf diese Entschleunigung ein? MACH AUS WASSER ENERGIE MVD - MINERAL VITAMIN DRINK • Füllt die Elektrolytspeicher wieder auf • Unterstützt das Immunsystem • Ideal für Sport bis 60 Minuten • 13 erfrischende Geschmacksrichtungen Eine Dose ergibt 30L SPORTNAHRUNG MIT SYSTEM Im Vorjahr unterhielten wir uns mit Reinhard Haller (Mitte) in Feldkirch über Wandern, Sucht und Morde, diesmal – via Handy – über Isolation, Krisen und Solidarität. Bio Based Bottle www.peeroton.com

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