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SPORTaktiv Juni 2020

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DEN LOCKDOWN NUTZTE

DEN LOCKDOWN NUTZTE RAINER PREDL ZU EINEM 70-KILOMETER-LAUF UM SEINEN KÜCHENTISCH. DER NIEDERÖSTERREICHER IST EINER DER BESTEN ULTRALÄUFER ÖSTERREICHS – UND GLEICHZEITIG DER RENNENDE BEWEIS, WIE NAHE TRAGÖDIE UND KOMÖDIE BEIEINANDERLIEGEN. VON CHRISTOF DOMENIG CRAZY NACH PLAN Es klingt ein bisschen wie die Ausdauersport-Variante der früheren MTV-Serie Jackass. Kennt die noch jemand? Rund ums Jahr 2000 versuchten sich in der US-Serie „Stuntmen und/oder Verrückte“ an allerlei schrägen Challenges, dass es oft beim Zuschauen wehtat. Zu Beginn des Corona-Lockdowns lief Rainer Predl aus Lassee 11.024 jeweils 6,35 m kurze Runden – oder 70 Kilometer rund um seinen Küchentisch. Wer nur 20 Runden um einen Tisch probehalber rennt, kann den schwindelerregenden Aspekt an der Tortur erahnen. Im Livestream ließ sich denn auch miterleben, dass Predl auf den ersten 20 Kilometern dreimal für längere Zeit aus dem Bild verschwand. Weil sich der Drehwurm und die Nahrungsaufnahme (Banane, Cola, Wasser) nicht vertrugen, musste er sich jeweils in den Garten „verabschieden“. Nach dem dritten rückwärtigen Frühstück verzichtete der Ultraläufer auf weitere Verpflegung und lief die restlichen 50 Kilometer mehr oder weniger nüchtern. Mit Übelkeit und Kopfschmerzen als Begleiter, wie er berichtet, aber ohne sich noch ein weiteres Mal übergeben zu müssen. 12 Stun- Fotos: Sahara Marathon/O. Carrascosa, Nini Tschavoll, Rainer Predl 48 SPORTaktiv

Rainer Predl draußen und drinnen: Beim Sahara-Marathon – und nach dem Küchentischlauf über 70 Kilometer (kleines Bild). den 57 Minuten nach dem Start hieß der (inoffizielle) Weltrekordhalter Rainer Predl – zuvor hatte ein chinesischer Läufer mit 66 Kilometern die Bestmarke inne. Wie hieß es nicht schon bei „Jackass“? „Don’t try this at home!“ Predl ist generell immer für eine schräge Aktion gut: Er lief schon Rekorde in einem Kreisverkehr, einen Marathon in einem Windrad (auf einer 13-Meter-Runde – ohne Übelkeit) oder sieben Tage hindurch mit nur kurzen Schlafpausen auf einem Laufband. „Alle, die mich persönlich kennen, wissen, dass ich ein bisschen deppert bin“, witzelt der Niederösterreicher. „Das kann ich mit meinen Crazy Projects ausleben.“ Ihn auf die „verrückten“ Projekte zu reduzieren, würde ihm jedoch nicht in Ansätzen gerecht. Erstens ist Predl Nationalteammitglied im Ultrastraßenlauf, mit dem Spezialgebiet 100 Kilometer. Schon mit 21 Jahren hat der jetzt 30-Jährige den österreichischen Rekord im 6-Stunden-Lauf aufgestellt, seine Bestmarke von 85,517 Kilometer in sechs Stunden stehen sogar als Jahresweltbestleistung zu Buche. Predl ist auch zweifacher österreichischer Meister über 100 Kilometer, mehrmaliger WM-Teilnehmer über seine Spezialdistanz sowie auch im 24-Stunden-Lauf. Er hat auch schon den prestigeträchtigen Sahara-Marathon gewonnen (siehe Fakten-Kasten). Laufen fürs Kinder-Hospiz Seine „Crazy Projects“ sind außerdem nicht Selbstzweck, sondern allesamt Benefizevents. Die schrägen Formate dienen dazu, eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen und damit auch möglichst große Spendensummen zu SPORTaktiv 49

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