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SPORTaktiv Juni 2021

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MACHT EUCH NASS! Fotos:

MACHT EUCH NASS! Fotos: istock, Herwig Reupichler 38 SPORTaktiv

MINDESTENS 700.000 NICHTSCHWIMMER GIBT ES IN ÖSTERREICH SCHON UND DIE SPERREN DURCH CORONA HABEN DIE LAGE NOCH VERSCHÄRFT. SCHWIMMEN ALS ECHTER BREITENSPORT BOOMT ANDERERSEITS. VON CHRISTOF DOMENIG Dass immer weniger Menschen das österreichische Kulturgut Skifahren erlernen und hochhalten, wird oft beklagt. Vom Schwimmen ist vergleichsweise wenig zu hören. Schwimmen zu können, kann im Gegensatz zum Skifahren im Ernstfall aber Leben retten. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit hat jedenfalls im Jahr 2019 erhoben, dass sich 700.000 Menschen ab 5 Jahren in Österreich als Nichtschwimmer deklarieren. Das sind acht Prozent der Bevölkerung. Jeder Fünfte schätzte bei der Befragung die eigenen Schwimm-Skills als sehr unsicher bis maximal mittelmäßig ein. Das alles war freilich noch vor der Corona-Pandemie. Durch gesperrte Schwimmbäder (mit Ausnahme des Spitzensports) sowie ausgefallene Kurse hat sich die Lage naturgemäß weiter verschärft, sodass manche Schätzungen schon von annähernd einer Million Nichtschwimmer sprechen. Im April 2021 haben Vertreter der österreichischen Schwimmschulen auf den Ernst der Lage aufmerksam gemacht und sich mit einer Petition an die Bundesregierung gewandt unter dem Titel: „Lasst uns wieder schwimmen lernen“. Für Corona und notwendige Maßnahmen kann freilich niemand etwas. Aber wie schon erwähnt: Das Problem besteht und ist schon lange vor Corona entstanden. Herwig Reupichler kennt die Problematik umfassend. Der SPORTaktiv-Experte ist nicht nur Sportwissenschafter, Triathlonund Schwimmtrainer, sondern zugleich selbst Vater zweier kleiner Kinder und bei der Sportunion Steiermark für das Projekt „Kinder gesund bewegen“ verantwortlich. „Es ist ein Riesenthema für die Gesellschaft, wenn es nicht mehr selbstverständlich ist, schwimmen zu erlernen. Das ist nicht nur potenziell lebensgefährlich, sondern auch eine soziale Frage: Weil Nichtschwimmer automatisch aus vielen Bereichen der Gesellschaft ausgeschlossen sind, vom Badeurlaub bis hin zu sämtlichen Wassersportarten.“ Woher die hohe Zahl der Nichtschwimmer kommt? Reupichler sieht mehrere miteinander verwobene Ursachen: einerseits, dass durch die zunehmende Zahl an Doppelverdienern Familienzeit knapper wird. Früher habe man Kindern neben dem Radfahren das Schwimmen ganz selbstverständlich im Familienverband beigebracht, heute werde dagegen vieles an die Schulen ausgelagert. „Um Kindern schwimmen beibringen zu können, muss du es aber selber gut können. Mittlerweile haben wir eine Elterngeneration, wo das eben nicht mehr selbstverständlich der Fall ist – da entsteht eine Spirale nach unten.“ Zum Zweiten sei im Bildungssystem mit Stundenstreichungen auch der Schwimmunterricht gekürzt worden. Früher hätten es Lehrer außerdem vielleicht mit zwei Kindern pro Klasse zu tun gehabt, die überhaupt nicht schwimmen konnten, jetzt seien oft halbe Klassen Nichtschwimmer. „Das ist dann nicht zu bewältigen.“ Doch über allem steht für den SPORTaktiv- Experten vor allem ein Problem: ein eklatanter Mangel an Wasserfläche. Nicht Freiflächen, Bäder und Seen, die jetzt in diesem Sommer endlich wieder fleißig frequentiert werden können: Es geht um die Schwimmhallen. „Sie sind anders als GERADE IN BALLUNGS- ZENTREN GIBT ES VIEL ZU WENIGE ÜBERDACHTE WASSERFLÄ- CHEN, DIE WENIGEN SIND HOFF- NUNGSLOS ÜBERLAUFEN. SPORTaktiv 39

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