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SPORTaktiv Juni 2021

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MENTAL­ TRAINING IST

MENTAL­ TRAINING IST KEIN SCHALTER, MIT DEM WIR DIE ANGST EINFACH AUSSCHALTEN KÖNNEN. mich, findet Eva: Eine moderate Gefällstrecke, eine enge Rechts- und eine enge Linkskurve, keine Autos. Später geht es auf eine kleine Ausfahrt. Natürlich mit Abfahrt! Eva setzt auf eine Mischung aus Technik- und Mentaltraining. Und fügt an: „Diese Kombination ist mein Alleinstellungsmerkmal. Das haben mir meine Kunden, die zum Training auch aus Hamburg oder aus der Schweiz kommen, versichert“. Wir beginnen ganz entspannt. Fahren auf Radwegen und ruhigen Nebenstraßen vom Parkplatz, auf dem wir uns getroffen haben, zu unseren Übungskurven in Richtung Weinberge. Während wir leicht bergauf pedalieren, beruhigt mich Eva erst einmal, dass Angst und Stress eine ganz normale Reaktion des Gehirns seien, wenn dieses eine Situation als unbekannt oder potenziell bedrohlich einstufe. Eine der Hauptaufgaben unseres Gehirns sei es nun einmal, uns vor Gefahren zu beschützen, erklärt sie. Mein Hirn stuft offenbar jede etwas steilere Abfahrt als potenzielle Gefahr ein, obwohl ich doch eigentlich nur Spaß haben will, denke ich. Um trotzdem mit mehr Gelassenheit den Berg hinunter zu kommen, müsse man das Gehirn ein wenig austricksen, rät mir Eva. Und dann kommt der rosa Elefant ins Nach dem Mentalcoaching genieße ich die Abfahrt von der Silvretta-Hochalpenstraße ohne Angstgefühle. Wenn die Gedanken auf Kontrollierbares gelenkt werden, ersetzt vor der Abfahrt Vorfreude die Angst. Spiel: „Wenn ich dir sage, denke jetzt nicht an einen rosa Elefanten, dann sucht dein Gehirn automatisch zuerst nach Gedanken, Bildern und Erinnerungen zu rosa Elefanten und führt die Verneinung – also nicht an den rosa Elefanten zu denken – erst in einem zweiten Arbeitsschritt durch“, nennt Eva ein Beispiel dafür, wie man sein Hirn durch einen zusätzlichen mentalen Arbeitsaufwand unnötig belasten kann. Geschieht das in einer sowieso schon stressigen Situation, weil ich mir ausmale, was mir auf der Abfahrt alles außer Kontrolle geraten könnte, ist das sicherlich wenig zielführend, kann ich nachvollziehen, warum mir Eva dazu rät, meine Aufmerksamkeit besser ganz bewusst auf das Kontrollierbare zu lenken. Das soll meine Abfahrten stressfrei und sicherer machen. Zum Kontrollierbaren gehören eine selbstbewusste Körperhaltung, eine ruhige Atmung und auch einmal ganz bewusst zu lächeln. Ebenso die Umsetzung dessen, was wir im technischen Teil ihres Praxiscoachings an Kurventechnik noch mal geübt haben. Also nicht dorthin schauen, wo ich meine, dass Gefahr lauert, sondern dorthin, wo ich hinfahren möchte. In jeder Kurve, die immer von außen her angefahren werden soll, wandert der Blick zunächst in die Kurvenmitte und dann Richtung Kurvenausgang. Gedanken wie: „Schaffe ich das? Hoffentlich stürze ich nicht!“ soll ich laut Eva durch konstruktive Handlungsanweisungen an mich selbst ersetzten. „Nach vorne schauen, atmen, ruhig bleiben“, können solche Handlungsanweisungen sein. Und es funktioniert. Zuerst am Apfelblütenweg und während der gemeinsa- 74 SPORTaktiv

men Übungsfahrt mit Eva. Später integriert in meine Radtouren auch alleine. Anfangs sind Gefälle und Geschwindigkeit noch moderat, dafür bleibt nach jeder ohne Angst gemeisterten Abfahrt ein positives Gefühl zurück. „Mentaltraining heißt manchmal auch einen halben Schritt zurückzugehen, besonders nach Stürzen. Gehirngerechtes und nachhaltiges Lernen funktioniert immer vom Leichten zum Schweren hin“, betont Eva. Entscheidend seien die positiven Erfahrungen, wenn etwas gelingt. Diese stärken das Selbstvertrauen und die Motivation. Gerade in der Anfangsphase solle man auf leichteren Abfahrten üben, damit solche gelingende Erfahrung überhaupt erst möglich werde. Mithilfe von Dopamin-Ausschüttungen unterstützt unser Gehirn uns dann beim erfolgreichen Lernen. „Mentaltraining ist kein Schalter, mit dem wir die Angst einfach ausschalten können“, gibt mir Eva am Ende noch mit. „Der Erfolg des Mentaltrainings beruht auf regelmäßigem Üben. Und auf deine Fortschritte darfst du dann auch stolz sein!“ Mein stolzester Moment war im Sommer nach dem stressfrei-bergab-Coaching, als ich einen Alpencross gewagt habe und mit einem Grinsen im Gesicht auch die kilometerlangen Abfahrten auf den Passstraßen genossen habe. Der kleine fiese Kerl, der mir früher immer alle möglichen Ängste eingeredet hat, ist erst gar nicht mitgekommen. Dafür schlich sich in mancher Serpentinenkurve ein rosa Elefant in mein Kopfkino. Auf dem Rennrad, im rosa Radtrikot, entspannt und ruhig bergab sausend. Vielleicht war das ja auch der Grund, warum ich auch bergab auf der Passstraße so häufig grinsen musste. STRESSFREI BERGAB – PRAXISCOACHING Einzeltraining 120 Euro. Das Training dauert 3,5 bis 4 Stunden und beginnt mit einem Fahrpraxistraining und einer Einführung ins Mentaltraining, dann folgen ganz viele Übungen und viel Zeit zum Ausprobieren. Ausgestattet mit einem gut gefüllten Werkzeugköfferchen geht es auf eine kleine, rund 25 km lange Rundfahrt. Negative Erlebnisse aus der Vergangenheit, wie Stürze, werden nur soweit notwendig thematisiert. Der Fokus liegt auf dem zuversichtlichen Blick nach vorne. Aktuell auch als Online-Training buchbar, Dauer: 2 Stunden, 60 Euro www.sportmental coaching-rueckenwind. de/stressfrei-bergab/ ABUS QUIN SYSTEM CRASH DETECTION Das ABUS QUIN System ist die smarte Crash-Erkennung für ABUS Helme. Egal ob Road oder Offroad, der QUIN Chip erkennt zuverlässig deinen Crash. Im Ernstfall werden deine Notfallkontakte sofort über deinen Standort informiert. abus.com/QUIN

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