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SPORTaktiv Juni 2021

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MAN LERNT AUCH BEIM RAD

MAN LERNT AUCH BEIM RAD NIE AUS RUND 100 JUNGE MENSCHEN IN ÖSTERREICH ER­ LERNEN AKTUELL DEN BERUF DES FAHRRADMECHA­ TRONIKERS. VON GEORG MICHL Marián Andrejkovic in der brandneuen Bike- Werkstatt des Hervis Store St. Johann in Tirol. Er wird im November – coronabedingt verspätet – den Kurs zum Lehrlingsausbilder abschließen. 84 SPORTaktiv

Fotos: Hervis Store St. Johann in Tirol Wer kennt ihn in Österreich nicht, den markanten Slogan, mit dem junge Menschen in der Alpenrepublik auf den beruflichen Werdegang mit einer Lehre als Sprungbrett aufmerksam gemacht werden sollen: „Karriere mit Lehre.“ Die Wirtschaftskammer, die treibende Kraft hinter der berufsbezogenen Ausbildung, wies für das Jahr 2020 insgesamt knapp 108.000 Lehrlinge aus und in dieser Liste werden auch einige Fahrradmechatroniker geführt. „Aktuell ist es noch ein Lehrberufsversuch. Alle neuen Lehrberufe starten mit einem fünfjährigen Versuch“, sagt Thomas Gerhardt, „wir haben in Österreich nun schon mehr als 100 Lehrlinge – es schaut relativ gut aus.“ Der Wiener ist nicht nur Chef von zwei Radgeschäften in der Bundeshauptstadt, als Vorsitzender des Arbeitsausschusses Fahrradmechatronik der Bundesinnung Mechatronik hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass das Rad auch bei der Lehre wieder in Mode ist. In den 1980er-Jahren wurde der Lehrberuf des Radmechanikers gestrichen. „Mit der ersten Gewerbeordnungsreform wurden die Radmechaniker mit den allgemeinen Mechanikern und auch den Nähmaschinenmechanikern unter das Dach der Mechatroniker genommen“, erklärt Gerhardt. Er selbst unterrichtet am WIFI, an der FH Wien (Sportgerätetechnik) und nun auch an der Berufsschule. In sechs Bundesländern bilden Berufsschulen aktiv Fahrradmechatroniker aus. Eine davon ist übrigens in Mattighofen bei der österreichischen Edelschmiede KTM. Das heimische Traditionshaus verlassen mittlerweile auch zahlreiche E-Bikes, deren Aufkommen dem Streben nach dem Lehrberuf freilich Rückenwind verschafft hat. Die Elektromobilität mit den E-Bikes und der Boom werden zwar oft als Aufhänger oder Schuhlöffel für die Schaffung des Lehrberufs genannt, die sprichwörtliche Neuerfindung des Rads war es aber nicht. „Wenn man es realistisch betrachtet, ist ein E-Bike zu BERUFSPROFIL DES FAHRRADMECHATRONIKERS Durch die Berufsausbildung im Lehrbetrieb und in der Berufsschule soll der im Lehrberuf Fahrradmechatronik ausgebildete Lehrling befähigt werden, die nachfolgenden Tätigkeiten fachgerecht, selbstständig und eigenverantwortlich ausführen zu können: 1. Instandhalten und Warten von Fahrrädern und ähnlichen Fahrgeräten (zB Scooter, E-Scooter, Longboards, Hoverboards, Segways) und einzelnen Baugruppen (z. B. Beleuchtungsanlage, Rahmen, Bremsanlagen, Schaltungen usw.) sowie deren Zubehör 2. Anpassen von Fahrrädern und ähnlichen Fahrgeräten an Kundenwünsche und ergonomische Anforderungen 3. Kontrollieren von Fahrradkomponenten insbesondere der Fahrradbereifung 4. Überprüfen, Demontieren und Montieren von einzelnen Baugruppen wie Beleuchtungsanlagen, Bremsanlagen, Schaltungen, Dämpfern und Federgabeln sowie Zusammenbauen von Fahrrädern und ähnlichen Fahrgeräten aus Komponenten 5. Ausbauen, Einbauen und Prüfen von mechanischen, elektrischen, elektronischen oder hydraulischen Bauteilen 6. Suchen, Analysieren und Beheben von Fehlern an Fahrrädern und ähnlichen Fahrgeräten oder Fahrradkomponenten 7. Durchführen von Prüf-, Ausbau-, Montage-, Instandsetzungs- und Wartungsarbeiten an Zusatzantrieben wie Elektromotoren und Kraftübertragungseinrichtungen sowie an elektrischen und elektronischen Anlagen von Fahrrädern und ähnlichen Fahrgeräten 8. Informieren und Beraten von Kunden z. B. über Bremsanlagen, Schaltungen, Bereifung, Pflege und Wartung von Fahrrädern und ähnlichen Fahrgeräten usw. sowie Anbieten von Zusatzleistungen 9. Lesen und Anwenden technischer Unterlagen sowie Festlegen von Arbeitsmethoden und -abläufen unter Anwendung von Qualitätsmanagementsystemen 10. Ausführung der Arbeiten unter Berücksichtigung der einschlägigen Sicherheits- und Umweltstandards 85 Prozent ein normales Fahrrad – zieht man Display, Motor und Batterie ab, bleibt ein Fahrrad über. Schaltung, Bremsen, Mäntel, Schläuche – das ist alles gleich“, sagt Gerhardt, „aber klar nehmen wir den Wind der E-Bikes mit.“ Neben Einschulungen durch Hersteller erhielten Mechaniker lange ihr Wissen in Kursen und Fortbildungen am WIFI; einen Gesellenbrief konnten sich die Radschrauber aber nicht an die Wand hängen. Das wird sich bald ändern, wenn die ersten Lehrlinge die drei Jahre dauernde Ausbildung abschließen werden. Und somit ist die Ausbildung zum Fahrradmechatroniker, die wie alle anderen Lehrberufe in Österreich mit der LAP (Lehrabschlussprüfung) abgeschlossen wird, auch ein Qualitätsnachweis und Zeugnis für ihr Fachwissen. Es war dennoch viel Überzeugungsarbeit und Hingabe nötig, bis das Bundesgesetzblatt (193. Verordnung: Fahrradmechatronik-Ausbildungsordnung – siehe Kasten) im Juni 2019 ausgegeben wurde. Sieben Jahre hat Gerhardt sein Ver- SPORTaktiv 85

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