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SPORTaktiv Oktober 2021

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KÖNIG STELVIO DIKTIERT

KÖNIG STELVIO DIKTIERT DIE MODE DREI TEMPERATURZONEN INNERHALB VON SIEBEN STUNDEN. DAS BRINGT DER HERBST IM ALLGEMEINEN UND DER GRANFONDO STELVIO SANTINI IN BORMIO IM SPEZIELLEN. EINE BEKLEIDUNGSGESCHICHTE IN GEMÄSSIGTEM RENNTEMPO. VON CHRISTOPH HEIGL Maskenpflicht beim Start. Was wird dieser Tag zwischen Bormio und Stilfserjoch noch bringen? Bormio, Nord-Italien, 6.20 Uhr. Es ist stockfinster und die Wetterapp sagt 11 Grad. Das ist für die Seehöhe von 1225 Metern mitten in den Alpen und Mitte September überraschend warm. Wenn man aber zum Start des großen Stelvio-Rennradmarathons rollt und viele Stunden und Höhenmeter vor sich hat, fragt man sich, wie warm und wie kalt es noch wird. Immerhin wartet der Zielbogen erst hoch oben auf 2757 Metern Seehöhe am legendären Passo Stelvio. Beim Racebriefing am Vorabend gibt es Tipps der Organisatoren. „Alles mitnehmen, was ihr im Koffer habt“, lautet ein Ratschlag, „oben am Stelvio weiß man nie, wie das Wetter umschlägt.“ Der italienische Bekleidungsspezialist Santini ist Hauptsponsor des Events und hat eine kleine Gruppe von Journalisten zum „Granfondo“ eingeladen. Glücklicherweise gibt es eine Erleichterung: Die Veranstalter ermöglichen allen Radfahrern den Gepäcktransport von Wechselgewand hinauf zum Passo, grazie mille. Davor stehen wir am Start mitten in Bormio und frösteln mit 2500 anderen Teilnehmern dem Startschuss entgegen. Weil die Vormittagstemperaturen dann rasch gegen 14,15 Grad steigen werden, Fotos: GF Stelvio Santini/Tiziano Ballabio, Christoph Heigl, Santini 68 SPORTaktiv

entscheiden wir uns für möglichst flexible Rennradmode. Das heißt: Baselayer, kurzes Santini-Renntrikot (bei der Veranstaltung verpflichtend zu tragen), an den Unterarmen sogenannte Ärmlinge, darüber noch eine dünnes, ärmelloses Windgilet, Kurzfingerhandschuhe, unten die kurze Radhose. Einige Mitstreiter haben auch Beinlinge an, auch keine blöde Idee. Der Start gelingt und es geht zunächst eine Stunde lang mit 50 km/h das Valtellina-Tal hinab. Temperatur? Passt, alles richtig gemacht. Gut, ein wärmendes Radkäppi unter dem Helm wäre nützlich gewesen, auch wegen des stile italiano. Der Wendepunkt der Strecke ist das wunderschöne Teglio. Bis auf knapp 400 Meter Seehöhe sind wir schon herunten, es ist angenehm warm und jetzt wartet die erste Bergwertung nach Teglio hinauf. Die Straße durch die Weinberge ist steil und tendiert mit ihren Werten (bis 18 Prozent) vom Wein eher Richtung Grappa. Streckenkenner ziehen sich hier um und als der Schweiß von der Stirn in die Brille rinnt, merke ich warum. Auf meinem Sigma kann ich nicht nur die 18 Grad Steigung ablesen, sondern auch die fast sommerlichen 20 Grad. Also weg mit der Windweste, weg mit den Ärmlingen, alles hinten hinein in die drei Rückentaschen des Kurzarmtrikots. Dort verstaut sind auch Mini-Pumpe, Ersatzschlauch, Mini-Tool, Handy, zwei Gels und die Santini-Stoffmaske, die beim Start zu tragen war. Immer wieder lotsen uns Polizeimotorräder mit Blaulicht durch die Dörfer, das fühlt sich herrlich profimäßig an. Freundlicher Applaus von Kirchgängern, Passanten und Urlaubern. Radfahren hat echt Kultur hier. Es geht mittlerweile retour Richtung Bormio hinauf. Jetzt kommt der Höhenmeterhammer, denn die folgenden 60 Kilometer gehen bergauf und haben mehr als 2000 hm. Sicherheitshalber SPORTaktiv 69

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