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SPORTaktiv Outdoorguide 2017

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OUTDOORGUIDE Alpinistin

OUTDOORGUIDE Alpinistin aus Leidenschaft SEIT MEHR ALS 10 JAHREN steht Lisi Steurer im männerdominierten Berufsfeld des Berg- & Skiführers erfolgreich ihre „Frau“. Was gute Bergführer ausmacht, wie sie sich im alpinen Gelände Respekt verschafft und wo sie die aktuellen Probleme ihres besonderen Berufsstandes sieht, das erzählte sie uns im Interview. FOTOS: xxx TEXT: Claudia Riedl 62 SPORTaktiv-OUTDOORGUIDE 2017

FOTOS: Elisabeth Steurer Lisi, lass uns zu Beginn einen kurzen Blick auf deinen Werdegang werfen. Welchen Beruf hast du vor deiner Bergführerkarriere ausgeübt? Ich arbeite jetzt seit knapp 15 Jahren als Berg- und Skiführerin, und das immer noch mit großer Leidenschaft. Die Entscheidung, Bergführerin zu werden, kam bei mir gleich nach der Matura. Ich habe danach viele verschiedene Ferialjobs angenommen und unter anderem als Reinigungskraft, Sekretärin und Museumsangestellte gearbeitet. So habe ich meine Ausbildung zur Berg- und Skiführerin finanziert. Wie kam es überhaupt zu der Idee, die Ausbildung zu machen? Es waren meine damaligen Kletterkollegen und Freunde, die mich inspiriert haben, diesen Beruf zu ergreifen. Einige davon waren schon als Bergführer aktiv. Motiviert habe ich mich letztendlich wohl selber – vor allem, weil ich beim ersten Anlauf der Aufnahmeprüfung durchgefallen bin und somit zwangsläufig noch ein Jahr Zeit hatte, zu hinterfragen, ob ich das auch wirklich will. Die Antwort war aber eindeutig: „Ja“! Und wie hat dein Umfeld auf deine Berufswahl reagiert? Meine Eltern waren zu Beginn alles andere als begeistert. Sie hätten mich wohl lieber in einem „sicheren“ Beruf gesehen. Jetzt verstehe ich das auch besser (lacht). „Bergführer“ klingt tatsächlich nach einem riskanten Beruf. Wie gehst du mit den Themen Sicherheit und Risiko beim Bergsteigen um? Risiken sind natürlich ein Teil meines Berufs – und ich versuche auch, mich aktiv damit auseinanderzusetzen. Dazu zählen eine perfekte Vorbereitung, entsprechendes Training, aber auch das Miteinbeziehen äußerer Faktoren wie des Wetters am Berg. Besonders wichtig ist für mich auch der Faktor Mensch. Bevor ich mit meinen Gästen „etwas Großes“ klettere, gibt es einige Vorbereitungstouren und Vorgespräche und es werden Trainingsmöglichkeiten besprochen. Was ist das für ein Gefühl, wenn man den Gipfel erreicht hat? Ist man nach der intensiven Vorbereitung am Ziel angekommen, ist das natürlich ein tolles Gefühl. Dann Die Bergführerin ELISABETH STEURER, MA (38) aus Lienz ist staatlich geprüfte Berg- & Skiführerin und begleitet ihre Kunden seit 15 Jahren mit Umsicht in alpines Gelände. Die Berge bedeuten für die Osttirolerin „Inspiration und Reduktion auf das Wesentliche“. Seit 2015 ist Lisi auch als Ausbildnerin im Verband der österr. Bergführerausbildung tätig. TEL.: 0664/516 58 35 E-MAIL: info@bergstatt.at WEB: www.lisisteurer.at weiß man, dass sich der ganze Planungsaufwand gelohnt hat. Auf Tour kann es aber auch passieren, dass dich bestimmte Umstände zur Umkehr zwingen. Dann ist es meine Aufgabe, zu sagen: „Heute geht’s nicht!“ Der Gipfel ist also das Ziel, aber nicht um jeden Preis? Ganz genau. Mit einem Frauenanteil von 1 Prozent ist der Beruf des Berg- und Skiführers in Österreich ganz klar eine Männerdomäne. Hat man es als Frau schwerer, sich am Berg Respekt zu verschaffen? Ich bin der Meinung, dass man sich sowohl als Mann als auch als Frau ohne laute Worte und heroische Ausdrucksweise Respekt verschaffen kann und soll. Ich bin bisher jedenfalls mit meinen Stammgästen und auch in der Bergführerausbildung ohne „Respektverschaffungsstrategien“ ausgekommen ... Das heißt, du wurdest als Frau bei der Ausbildung nicht anders behandelt als die männlichen Kursteilnehmer? Nachdem man in der Ausbildung und generell in den Alpen nur sehr wenige Frauen antrifft, ist man als Dame im Bergführer-Metier an sich schon eine Ausnahmeerscheinung. Deshalb bin ich während meines Kurses aber nicht schlechter behandelt worden als meine männlichen Kollegen. ‚Extrawürste‘ gab’s für mich aber auch keine. Ich musste dasselbe leisten wie alle anderen auch. Apropos Leistung: Glaubst du, dass Bergführerinnen ihren männlichen Kollegen in bestimmten Bereichen überlegen oder unterlegen sind? Ganz ehrlich, ich glaube, dass wir den Männern grundsätzlich nicht unter- oder überlegen sind, und stehe auch für die Gleichstellung beider Geschlechter. Im körperlichen Umkehrschluss heißt das aber auch, dass wir Frauen im Bergführerberuf dasselbe leisten müssen wie die Männer. Und nachdem wir in der Regel kleiner und leichter sind, können gewisse Aufgaben wie das Tragen von sehr schweren Rucksäcken körperlich sicher zur Herausforderung werden. Wie sieht es in puncto Einfühlungsvermögen aus? Haben da Frauen Vorteile? Auf der Soft-Skills-Ebene ist das weibliche Geschlecht wahrscheinlich wirklich im Vorteil. Die Psychologie stuft manche Frauen jedenfalls als sensibler ein. Dann gleichen sich die Fähigkeiten von Mann und Frau also wieder aus? So ist es. Und hey, wenn man etwas wirklich will, dann ist auch vieles möglich. Das heißt also, mit viel Disziplin und der entsprechenden körperlichen Voraussetzung kann jede Frau zur Alpinistin werden. Warum gibt es dann noch immer so wenige Bergführerinnen? Vielleicht gibt es weniger Frauen in dem Beruf, weil Führungskompetenz und Durchsetzungsvermögen noch immer keine „typisch“ weiblichen Charaktereigenschaften sind. Generell ist die Frauenquote in diversen Spitzenpositionen – sei es in der Wirtschaft oder in der Politik – immer noch niedrig. Ich glaube aber, dass sich diesbezüglich in den nächsten Jahren einiges verändern wird. Stichwort „Veränderung“. Seit der Gründung des Bergführerverbandes hat sich im Umfeld dieses Berufsstandes viel getan. Wenn du für deine Berufsgruppe eintreten musst – wo ortest du aktuelle Probleme? Meiner Meinung nach ist der aktuelle Brutto-Tagessatz eines Berg- 63

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