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SPORTaktiv Outdoorguide 2021

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„DAS ABENTEUER HAT

„DAS ABENTEUER HAT AUCH MICH JAKOB HORVAT IST PER ANHALTER VON WIEN NACH SÜDAMERIKA UND DANACH UM DIE GAN- ZE WELT GEREIST. EIN ABENTEUER, DAS IHM EINEN NEUEN BLICK AUF DEN ZUSTAND DER ERDE UND AUF SICH SELBST ERÖFFNET HAT UND DAS SEIN LEBEN VON GRUND AUF VERÄNDERT HAT. INTERVIEW: KLAUS MOLIDOR GEFUNDEN“ Fotos: Jakob Horvat 100 SPORTaktiv

Jakob Horvat hat auf seiner Weltreise viel erlebt. Vom Start am Matzleinsdorfer Platz, über tierische Reisegefährten bis zum Amazonasregenwald Wo trifft man sich mit einem Weltenbummler, der ohne Flugzeug den Atlantik überquert hat und ein Jahr lang um die Welt gereist ist? Sicher nicht drinnen und sicher nicht virtuell. „Wir könnten“, schlage ich vor, „uns im Freien treffen und spazieren beim Reden“. Ganz coronakonform also. „Gerne“, schreibt Jakob Horvat flugs zurück. „Allerdings bin ich gerade in Costa Rica.“ Dort, so stellt sich heraus, lebt der 35-jährige ehemalige ORF-Journalist seit Februar mit seiner Freundin Andrea. Statt über die österreichische Innenpolitik zu berichten, bietet er Coachings an, Live-Meditationen, Yogastunden und wöchentliche Podcasrs. Also verabreden wir uns auf Zoom. Bei ihm ist früher Morgen, bei uns Nachmittag. Jakob, was sagt dir der Name Douglas Adams? Hmmm. Douglas Adams. Nichts. Das ist der Autor der Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ – was irgendwie deine Reise gut trifft. Ah, ja klar, die sagt mir schon etwas. Stimmt aber nicht ganz. Per Anhalter bin ich 2016/17 nach Amerika gereist. Danach aber sehr wohl mit ganz herkömmlichen Reisemitteln. Was war denn die Initialzündung für die Tramping-Reise um die Welt? Kennst du das, wenn eine Glut so dahinschwelt, und dann wirfst du etwas hinein, das sehr leicht Feuer fängt. Und es erzeugt eine Stichflamme? Die Glut war bei mir, dass ich als ORF-Journalist für den „Report“ in der Flüchtlingsbewegung Geschichten gemacht habe. Ein halbes Jahr bin ich an all die möglichen Orte gefahren, Flüchtlingslager, an die Grenzen, Bosnien, Serbien, Ungarn und hab dort die Fremden, vor denen so viele Menschen Angst gehabt haben, kennengelernt auf eine Art und Weise, die teilweise sehr schmerzhaft war. Ich hab das nicht so weghalten können von mir, wie man das als Journalist vielleicht tun sollte. Mich haben die Geschichten der Menschen berührt und dadurch hat sich mein Blickwinkel auf die Fremde verändert. Gleichzeitig hab ich für das Fernsehen berichtet über die Angst vor den fremden Menschen, die da kommen. Daraus ist ein Konflikt entstanden, mit dem ich zunächst nicht so viel anfangen konnte. Aber das war die Glut. Und der Zunder, der die Stichflamme ausgelöst hat? In der Zeit hat mich mein Freund Martin aus Norwegen gefragt, wie das wäre, wenn wir alles zurücklassen für einen bestimmten Zeitraum, um so langsam wie möglich Richtung Westen zu reisen, ohne Fliegen den Kontinent zu wechseln nur mit der Hilfe von fremden Menschen. Da ist die Glut ein bisschen aufgeflammt. Vier Wochen später habe ich beim Geburtstag meines Vaters gesagt: „Leute, ich glaub, ich werde eine Weltreise machen und ich glaub auf eine recht ungewöhnliche Art und Weise.“ Per Anhalter zu reisen ist ja DIE Art und Weise um mit Menschen in Kontakt zu kommen. Und die Fremde auf eine ganz neue Art und Weise kennenzulernen. Aus eigener, minimaler Autostopp- Erfahrung: Da braucht man eine hohe Frustrationstoleranz. Die entwickelt man. Man lernt, an Tankstellen und Rastplätzen mit Leuten ins Gespräch zu kommen und auch, dass es egal ist, wie schnell man vorankommt. Die Absurdität des Vorhabens hat mich vor allem am Anfang immer wieder überwältigt. Nach Südamerika! Und dann sind wir die ersten Stunden nicht einmal aus Wien rausgekommen. Irgendwann war der Spaß dann aber wohl weg. Das erste wirkliche Tief war in Spanien an einem Kreisverkehr nach Barcelona. Dort nimmt einen ja schon gar keiner mit, weil die Spanier sehr reserviert sind. Nach vier Stunden sind wir frustriert in ein Restaurant gegangen, haben ein Baguette gegessen und einen Whisky getrunken. Plötzlich sagt Martin mit Blick SPORTaktiv 101

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