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SPORTaktiv Outdoorguide 2021

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CONTENT CREATOR IN BERGSCHUHEN JUNGES MEDIUM, TRADITIONELLE BILDER. WARUM SEBASTIAN SCHEICHL FÜR INSTAGRAM UND SEINE FOLLOWER GERNE UM 5 UHR FRÜH IN DEN DOLOMITEN WÄRE UND KEIN INFLUENCER IST, OBWOHL ER TAUSENDE MENSCHEN MIT SEINEN BERGBILDERN BEEINFLUSST. VON CHRISTOPH HEIGL ium-Hiuuuum. Hören Sie es? Hium-Hiuuuum. Wenn Sie aus einer Generation stammen, in der Am dam des für Kinderfernsehen, Enrico für Spaß und die Wiener Austria für Spitzenfußball steht, sind Sie vermutlich auch mit Hium-Hiuuum im Fernsehen auf die Bergwelt konditioniert worden. Mit diesen Synthesizer-Akkorden beginnt nämlich Chariots of Fire von Vagelis und damit die Signation für die legendäre Doku-Serie „Land der Berge“ im ORF. Gut, Enrico wurde kürzlich 80, das ist in etwa auch der aktuelle Schuldenstand der Wiener Austria (in Millionen) und mit Vangelis können die Jungen wohl nichts mehr anfangen. Heranwachsende von heute werden zwar auch vom Bildschirm geprägt, aber nicht von dem des Fernsehers, sondern dem des Handys oder Tablets. Einen wichtigen Teil dieser Aufgabe übernehmen Influencer auf den Social-Media- Kanälen. Wir wollen schauen: Welches Bild von #outdoor wird da transportiert? Einer der aktuell angesagtesten Instagrammer ist „Zeppaio“, der im bürgerlich Leben Sebastian Scheichl heißt. Frisch ist sein Blick auf die Berge, modern seine Bildsprache, traditionell aber sein Zugang zur Natur. „Ich war sehr viel mit den Eltern wandern und auf den Hausbergen in der Umgebung“, erzählt der sympathische Salzburger beim Treffen im Hellbrunner Schlosspark. Als junger Erwachsener brach er selbst zu Wanderungen auf, mehrmals pro Woche, noch ohne Fotos im Fokus. Doch mit Handybildern und seinem privaten In Zukunft will er als Fotograf arbeiten.Noch ist Sebastian Scheichl (25) Student mit 200.000 Insta-Fans. Insta-Account ging es bei fast täglichen Postings steil nach oben. „Am Anfang waren es Schnappschüsse und Gipfelselfies, später habe ich mir was von Idolen und Vorbildern abgeschaut, aus YouTube-Tutorials die Technik erlernt und mir eine bessere Kamera gekauft.“ Im Sommer vor fünf Jahren schnellte seine Follower-Anzahl dann schlagartig von 15.000 auf 60.000 hinauf, nachdem er Bilder von Wanderungen auf den Lofoten und Island gepostet hatte. Aktuell liegt der 25-jährige Geografiestudent bei 204.000 Followern und ist damit in Österreich eine fixe Größe. Das bringt ihm Projekte ein wie eine Kooperation mit Samsung, Sixt und dem Salzburgerland Tourismus. Sein Hobby finanziert sein Studium mittlerweile „mit einem sehr netten Taschengeld“, der spätere Berufs- Fotos: Sebastian Scheichl 134 SPORTaktiv

wunsch Fotograf ist bereits einzementiert. Und weil er oft gefragt wird: Von Instagram selbst gibt es kein Geld. Es gibt viele gute Fotografen in Österreich, auf Insta bildet „Zeppaio“ mit Tom Klocker (242.000 Follower) und Roman Königshofer (198.000) die Spitze. Als „Instagram-Star“ will sich Scheichl aber auf keinen Fall bezeichnen, auch mit „Influencer“ hat er keine große Freude, zu negativ besetzt scheint der Begriff. „Ich bin Fotograf und Content Creator.“ Der Großteil seiner Follower ist 25 bis 34 Jahre alt, stammt aus Österreich, Deutschland und den USA, 45 % davon sind weiblich. Sechs Tage in der Woche wird gepostet, rund 90 Minuten pro Tag werden dafür investiert. Nach einer Berg- oder Skitour sind 300 bis 500 Bilder auf der Speicherkarte, davon wandern 30 bis 40 ins Archiv. „Früher habe ich auch normale Fototouren zu Seen, Städten oder Kircherln gemacht. In den letzten ein, zwei Jahren hat sich das klar in Richtung Berg verschoben, weil ich mich abheben will. Hochalpin einen Sonnenaufgang zu fotografieren, machen nicht so viele.“ Da muss man mitunter auch um 3 Uhr früh aufstehen. Selbst ist er übrigens nie auf seinen Fotos. „Vielleicht einmal im Jahr. Ich bin sehr perfektionistisch und gebe ungern jemandem meine Kamera in die Hand. Für mein perfektes Bild müssen gar keine Menschen drauf sein. Ich will Natur ablichten. Menschen brauche ich nur, um Dynamik zu erzeugen oder um die Größe der Berge zu zeigen.“ Viel wichtiger sind ihm eben die Berge. „Mein Lieblingsberg ist hoch, WAS IST INSTAGRAM? Ein werbefinanzierter Onlinedienst zum Teilen von Fotos (und Videos), der seit 2012 zum Facebook-Imperium gehört. Transportiert werden Bilder, kaum Text, im Schnitt aber mit 10,7 Hashtags. Die Reichweite ist enorm: Für 2021 werden weltweit bereits 1 Milliarde (!) aktive Nutzer ausgewiesen, 71 % davon sind unter 35 Jahren. Noch wichtiger: 80 % der User lassen sich von Instagram im Kaufverhalten beeinflussen. In Österreich konnte Instagram seine Nutzer von 1 Million im Jahr 2017 auf mittlerweile 3 Millionen verdreifachen (Quellen: https://www.oberlo.de/ blog/instagram- statistik, www.statista.com). SPORTaktiv 135

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