Aufrufe
vor 5 Monaten

SPORTaktiv Outdoorguide 2021

  • Text
  • Aktivsportmagazin
  • Aktivsport
  • Spazieren
  • Camping
  • Klettern
  • Bergsteigen
  • Wanderung
  • Outdoorguide
  • Wandern
  • Outdoor
  • Touren
  • Rucksack
  • Menschen
  • Natur
  • Sportaktiv

WO BEGINNT OUTDOOR? IM

WO BEGINNT OUTDOOR? IM HOCHGEBIRGE ODER SCHON VOR DER EIGENEN TÜR? EINE SUBJEKTIVE ANNÄHERUNG. VON CHRISTOF DOMENIG Wer die Frage „Wo beginnt Outdoor“ mittels Google-Suche startet (versuchen Sie es gern), bekommt als Erstes eine ganze Reihe von Ergebnissen zum Thema Hanfanbau. Warum? Ich weiß es nicht. Jedenfalls kann es nicht nur mit der Personalisierung meiner Suchergebnisse zu tun haben, bei zwei Kollegen führte der Google-Versuch auf den gleichen Irrweg. Wo beginnt Outdoor nun also? Erst in den Bergen oder schon vor der Wohnungstür? Kommt darauf an, würde ich sagen. Outdoor beginnt bei mir jedenfalls, wie wahrscheinlich bei vielen anderen auch, in der eigenen Kindheit. Wobei das mit prägenden Kindheitserlebnissen nicht anders ist als mit einer Google-Suche – es kommt zu „personalisierten“ Ergebnissen. Das daraus Abgeleitete ist also höchst subjektiv. Bei mir war es in den frühen 1980er-Jahren, was mich hinsichtlich Outdoor prägte. Man sagte damals natürlich nicht Outdoor: Foto: iStock 18 SPORTaktiv

Bei uns daheim hieß es Wandern und es war für mich wie Urlaub im Kleinen. Wandern begann mit dem Richten der Jause und die Jausenpausen irgendwo an einem Bach unter Bäumen gehören auch mit zum in meiner Erinnerung Abgespeicherten. Aber auch die Gerüche draußen in der Natur: Ein Nadelwald, der Duft eines Steinpilzes oder auch der Geruch in einer Berghütte: Das weckt heute noch nostalgische Gefühle. Wandern begann für mich damals aber nicht erst in den Bergen, sondern für uns Flachländer mit der Anfahrt. 34 PS eines Renault 4 reichten aus, um eine ganze Familie zu Ausgangspunkten auf 1500 bis 1700 Höhenmeter zu bringen. Der motorisierte Vortrieb erfolgte an den steileren Passagen der Straße vermutlich im Kriechtempo. Zumindest aus heutiger Perspektive. Aber mit der Langsamkeit ist es wie mit der Einfachheit: Beides wird als solches nicht erkannt und schon gar nicht als Mangel empfunden, wenn man es nicht anders kennt. Damals habe ich es jedenfalls nicht anders gekannt. Outdoor ist für mich deshalb heute noch stets mit einer Form von Langsamkeit und Reduktion verbunden. Im Gegensatz zu einem getakteten Alltag ist Zeit beim Outdoor-Erlebnis zur Genüge vorhanden. Zumindest beim gelungenen Erlebnis. Wenn Zeitdruck entsteht, dann allenfalls als Notfallprogramm (wenn zum Beispiel ein Gewitter naht). Ähnlich ist es in meinem Empfinden heute noch mit dem Einfachen: Eine noch nicht renovierte Hütte, die den Charme meiner Kindheit versprüht, entlockt mir ein Lächeln. Und eine selbst im Familienverband hergerichtete und unter Bäumen verzehrte Jause kann besser schmecken, als ein mehrgängiges Menü auf einer supermodernen Hütte mit Gipfelblick es könnte. Natürlich lässt sich keine Seehöhengrenze benennen, ab der Outdoor beginnt: In den Bergen herrschen jedoch Bedingungen, die ein Outdoor-Erlebnis, so wie ich es verstehe, zumindest begünstigen: eine dünne Besiedelungsdichte, wenig Infrastruktur. Und tendenziell steinige, unebene und, ja, auch mitunter steile Wege. Outdoor beginnt für mich jedenfalls stets mit dem ersten Schritt und benötigt eine Vielzahl weiterer, geduldig und beharrlich absolvierter Schritte, um mich an ein selbst gewähltes Ziel zu bringen. Um dieses sicher zu erreichen, braucht es Planung und ein Sicherheitspolster. Eigenverantwortung ist nötig: In SPORTaktiv 19

Magazin // E-Paper