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SPORTaktiv Outdoorguide 2021

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2858 KILOMETER

2858 KILOMETER SELBSTFINDUNG Der Weg zu sich selbst führt von Obertrum nach Santiago de Compostela. 2858 Kilometer. Zu Fuß. Zumindest tut er das für Norbert Lüftenegger. Der heute 43-Jährige hat den Jakobsweg gebraucht um nicht nur zu sich zu finden, sondern zu erkennen, dass alle Steine, die in seinem Weg lagen, alle Hürden und Stürze, alle Schmerzen und Wunden sein mussten, um ihn zu dem zu machen, der er ist. Und er ist heute: ein blonder Mann mit warmem, offenem Blick und offenem Geist, der ganz offensichtlich mit sich im Reinen ist. Das war nicht immer so. Nach einer unbeschwerten Kindheit am Bauernhof der Eltern, in der natürlich mithelfen am Programm stand, aber eben auch Freiheit im Freien, hat er den geradezu klassischen Weg eingeschlagen. „Wie das halt so ist. Frau, Kind, Haus mit Garten“, erzählt Norbert Lüftenegger. Dazu die Arbeit als Software-Entwickler. Viel Arbeit. Auch zu Hause noch. „Vor zwei, drei Uhr früh bin ich selten ins Bett gegangen.“ Als Ausgleich dazu viel Party, wenig Sport. Eine Zeit lang geht der Raubbau an Körper und Seele gut. Dann aber kommen die Probleme. Scheidung, Stress, keine Zeit für irgendwas. Freie Fahrt Richtung Burn-out. Zum Glück schreit der Körper aber noch rechtzeitig Stopp, bevor er in die totale Überlastung kracht. In der Phase, wir schreiben das Jahr 2013, kommt er auf den Jakobsweg. Oder besser: Der Jakobsweg kommt zu ihm. „Für die Pension hab ich mir vorgenommen diesen Pilgerweg zu gehen“, erzählt Lüftenegger. Auch aus religiösen Gründen. „Der Glaube hat mir in schwierigen Phasen des Lebens immer schon Kraft gegeben. Der Personalchef in der Firma hat dann gesagt: Warte nicht auf die Pension, geh jetzt.“ Kurze Zeit später bindet er sich die alten Laufschuhe, hängt sich den Rucksack um, zieht die Tür hinter sich zu und geht los. Vier Monate unbezahlter Urlaub und 2858 Kilometer liegen vor ihm. „Am ersten Tag schon war ich ziemlich fertig.“ Da hatten er und eine Freundin und ein Freund, die ihn anfangs begleitet haben, noch nicht einmal die Salzburger Landesgrenzen überschritten. Fotos: Norbert Lüftenegger/KK 48 SPORTaktiv

PILGERN BEWEGT, PILGERN VERÄNDERT. WIE AUS EINEM PARTYTIGER AUF DEM WEG INS BURN-OUT EIN AUS- GEGLICHENER EXTREM- SPORTLER MIT EINER MISSION GEWORDEN IST. VON KLAUS MOLIDOR SPORTaktiv 49

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