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SPORTaktiv Skitourenguide 2021

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Nein, der Einstieg in

Nein, der Einstieg in den Skitourensport ist nicht schwer. Ja, je mehr Skitouren man geht, desto leichter fällt es und desto mehr Spaß macht es. Eine grundsätzliche Strategie beim Tourengehen – und zwar egal ob im Anfängeroder Fortgeschrittenenbereich – ist, sich so wenig wie möglich anzustrengen. Wie bitte? Lass mich kurz erläutern. Wenig anstrengen heißt einerseits, die Nerven nicht zu schmeißen (was in eventuell auftretenden „haarigen“ Situationen erlaubt, kühle Entscheidungen zu treffen). Andererseits heißt das auch, sich nicht mit unnötigen Bewegungen die Körner zu rauben und Kopf und Körper auszulaugen. Schließlich wollen wir die Berge genießen, ohne laktatdeppert am Hungerast zu hängen. Außerdem sind Skitourengeher tief drinnen ja faule Hunde (ich spreche nur für mich). Also: Hier ein paar Tipps, um den ersten Tag angenehm und entspannt zu gestalten und nicht körperlich erledigt und geistig frustriert nach fünfzig Höhenmetern dem Skitourengehen lautstark auf ewig abzuschwören. NICHT DIE NERVEN SKITOURENGEHEN IST EINFACH. EIN PAAR TIPPS FÜR DEN ANFANG. VON STEPHAN SKROBAR SCHMEISSEN Foto: istock 34 SPORTaktiv

Erstens: das Material 1. Die Ski Muss man nicht gleich kaufen, inzwischen kann man in so gut wie jedem Skiverleih des Landes aus einer Selektion moderner Tourenski wählen. Worauf achten? Nicht zu schmal, nicht zu fett. Ideal sind für die ersten Erfahrungen Ski mit einer Mittelbreite von rund 90 Milli metern, die Pin-Bindung so montiert, dass bei fersenfrei angeschnalltem, hängendem Ski die Spitze langsam nach oben kommt. Das hilft beim Gehen und im Speziellen bei der Spitzkehre. Um auszutesten, ob die Bindung richtig montiert ist, reicht es, den Ski mit zwei Fingern an den Pins des Vorderbackens zu halten und zu schauen, was passiert. 2. Der Schuh Dass ein Tourenschuh bequem und reibungsfrei sitzen muss, hat sich herumgesprochen (Ausnahme sind Fetischisten, die ihre Füße gerne in Eigenblut baden), ein paar weitere Faktoren zeichnen einen modernen, leichten Tourenschuh aus: Die (Profil-)Sohle ist meist bis zu 2 Zentimeter kürzer als bei einem Pistenschuh, der Rist liegt fest an, der Schaft hat nach vorne und vor allem nach hinten im Gehmodus viel Bewegungsfreiheit. (Der Fischer Travers hat zum Beispiel eine Schaftrotation von 80 Grad. Warum das notwendig ist? Dazu später mehr.) Reine Tourenschuhe passen in keine herkömmliche Alpinbindung mehr. 3. Die Stöcke Für die erste Tour können durchaus die eigenen Pistenstöcke verwendet werden, Voraussetzung ist ein Teller mit genug Durchmesser, um ein Einbrechen im tieferen Schnee zu vermeiden. Grundsätzlich werden beim Tourengehen in der Länge verstellbare Stöcke (Teleskopstöcke) verwendet – beim Aufstieg meist um einige Zentimeter länger als bei der Abfahrt. 4. Die Bekleidung Das, was Sportmagazine und die Bekleidungsindustrie unter Verwendung hochtechnisch klingender und teilweise neu erfundener Begriffe begeistert propagieren, stimmt in diesem Falle meistens: Gute Outdoorbekleidung ist gut. Das heißt atmungsaktiv, leicht, windund wetterfest und lässt dich aussehen wie ein Instagrammodel, das gerade von einer mehrmonatigen Karakorumexpedition zurückkehrt, auch wenn du maximal die Maria-Theresien-Straße auf und ab flaniert bist. Solches Tuch ist aber auch sauteuer. Betreibt man den Tourensport ein bisschen regelmäßiger, zahlt sich eine Investition aus, zu Beginn sollte man auch bei günstiger Gewandung darauf achten, dass man nicht zu feucht, windanfällig und zu warm gekleidet ist. Ein wichtiger Punkt, der nun zum nächsten Thema überleitet, nämlich: Zweitens: die Strategie 1. „Be bold, start cold“ Neueinsteiger in diesem Sport erkennt man daran, dass sie bei moderatem Wetter in die dicksten Daunenjacken und wolligsten Wollmützen gehüllt wegstarten („Ich habe schließlich dafür gezahlt!“). Nach fünf Minuten schießen erste Wallungen durch den Körper, nach zehn Minuten der leicht erschöpfte Schnaufer: „Ich muss mir die Jacke ausziehen!“ Nach dem kurzen Ausziehstopp folgt dann zehn Minuten später der ausgetrocknete Wunsch nach Trinkbarem. Solche Unterbrechungen stören den Rhythmus empfindlich, jeder Stopp und Wiederstart kostet unnötig Energie, beeinträchtigt das Gesamterlebnis und trägt unbemerkt zu Erschöpfung bei. Expertinnen starten mit einem Anflug von Frösteln, wissen aber, dass sie in zehn Minuten die perfekte Betriebstemperatur erreicht haben (auch wenn dazu ein bisschen Erfahrung gehört). SPORTaktiv 35

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