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SPORTaktiv Winterguide 2018

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NORBERT SANTELER GEHT

NORBERT SANTELER GEHT NACH 35 JAHREN ALS KONDITORMEISTER AM PITZTALER GLETSCHER IN PENSION. IHM MACHT KEINER VOR, WIE MAN MIT DEM LUFTDRUCK BEIM BA- CKEN AUF 3000 METERN SEEHÖHE UMGEHT. ER BÄCKT NACH WETTERBERICHT. VON CHRISTOPH HEIGL HÖCHSTER GENUSS Ein fester Händedruck, freundliche Augen, weiße Bäckermütze. So kennt man Norbert Santeler seit 35 Jahren am Pitztaler Gletscher. Oben in luftigen Höhen hat sich der bald 62-Jährige sein kleines Reich aufgebaut und es sogar bis in eine Weihnachtssendung der britischen BBC geschafft. „Dabei spreche ich kein Wort Englisch. Na, die ham gelacht mit mir“, sagt Santeler und muss selber lachen. Was er offenbar regelmäßig macht. Backen scheint die Seele fröhlich zu färben. Mit der Eröffnung des Gletscherskigebietes 1983 hat Santeler „oben“ begonnen. Davor hatte der waschechte Pitztaler aus Zaunhof in München und am Starnberger See gearbeitet. Die einmalige Chance, wieder in der Heimat zu werken und die Aufbruchstimmung am Gletscher zu spüren, ließ er sich nicht nehmen. Er begann als Angestellter der ins Bergrestaurant Kristall integrierten Backstube und quasi bei null. „Wir hat- Fotos: Christoph Heigl, Daniel Zangerl, Pitztal Marketing 112 SPORTaktiv

Norbert Santeler präsentiert stolz seine Gletscherschneetorte (linkes Bild), die oben im „Café 3440“ (rechts) ein echter Renner bei den Gästen ist. ten keinerlei Erfahrungswerte. Für den ersten Tag haben wir mit 500, 600 Gästen gerechnet. Man sagte mir, ich solle halt mal zwei Torten bereiten.“ Dann lacht er. „Die waren schnell weg, 1200 Leute sind gekommen.“ Der Beginn einer süßen Erfolgsgeschichte. Heute ist Santeler stolz auf die Mengen, die er mit seinem Team frisch zubereitet und die die zufriedenen Skigäste verputzen. In Summe pro Jahr vier Tonnen Kaiserschmarren und 10.000 Palatschinken mit 23 verschiedenen Füllungen, an Spitzentagen werden 250 Tortenstücke und 25 Meter Strudel gemampft, bis zu 300 Stück Kleingebäck. Viel Höhenluft Bei null begann es auch mit den Erfahrungswerten, was Teig und Co. betrifft, und damit geht diese Geschichte endgültig auf wie ein Germteig. Um 5 Uhr 10.000 PALATSCHINKEN 4 TONNEN KAISERSCHMARREN 250 TORTENSTÜCKE 25 METER STRUDEL 300 STÜCK KLEINGEBÄCK PRO JAHR AN SPITZENTAGEN früh klingelt der Wecker in Zaunhof, das schon auf knapp 1300 Metern Seehöhe liegt. Dann folgen die 20 Kilometer Fahrt noch weiter ins Tal hinein, wo es nur noch ein Fortbewegungsmittel gibt: den Gletscherexpress, eine Schrägstollenbahn durch den Berg, von der Talstation (1740 Meter) bis hinauf zum Bergrestaurant auf 2840 Metern Seehöhe. „Österreichs höchste Konditorei“, sagen die Pitztaler stolz, woanders liest man sogar von „Europas höchstgelegener Backstube“. Ja, gibt es überhaupt höhere auf der Welt? „Keine Ahnung“, sagt Santeler (und lacht), „diese Recherchearbeit hat sich nie wer angetan. Ich weiß zumindest von keiner höheren Bäckerei.“ Doch selbst hier am Gletscher geht es noch weiter hinauf. Von der Produktionsstätte auf 2840 Metern Höhe führt daneben noch die Wildspitz-Gondelbahn zur Bergstation, wo auf 3440 SPORTaktiv 113

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