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SPORTaktiv Winterguide 2018

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HENRIK K. ÜBER

HENRIK K. ÜBER HERAUSFORDERUNG WIE LEBT UND DENKT EINER, DER ALS CHALLENGE EINEN GEWISSEN MARCEL HIRSCHER HAT, DEN EIGENEN TRAINERVATER UND DIE JAGD NACH SEKUNDEN UND KALORIEN? FOLGLICH: WAS KÖNNEN WIR VON SLALOMSTAR HENRIK KRISTOFFERSEN LERNEN? VON CHRISTOPH HEIGL Lässig schlapft er herein, über dem Blondschopf ein Kapperl. Aber nicht, damit er nicht erkannt wird. Hier, im Süden der Stadt Salzburg, hat Henrik Kristoffersen eine Wohnung. In dem Café, in dem wir verabredet sind, ist er öfters. Die Seniorchefin erkundigt sich umgehend über Verletzungs- und Fitnessstatus, Kristoffersens freundliche Auskünfte klingen bereits nach Salzburger Mundart. „Ich versuche, im TV Deutsch, Salzburger oder steirischen Dialekt zu sprechen, das kommt gut an“, scherzt der Norweger später. „Habe d’Ehre“ hat er drauf, zur Mama seines österreichischen Cheftrainers Christian Mitter sagen er und die norwegische Techniker-Truppe „Mutti“. Das Interview will Kristoffersen auf Englisch führen, das spricht er noch besser. Vor mir sitzt ein aufgeräumter junger Mann, kurz vor Beginn der Rennsaison. Dass er auch ganz anders kann, dazu später. Henrik, die Robert-Seeger-Frage gleich zu Beginn: Wie viele Norwegerpullis hat ein Norweger? (Lacht) Du meinst, diese Mariusgenser-Muster? Ich habe nur einen und den trage ich kaum, vielleicht zu Weihnachten. Ich vertrage Wolle nicht so gut. Hier im Kaffeehaus kennt man dich. Wie empfindest du Stellenwert und Image in Österreich? Die Leute erkennen mich manchmal auf der Straße oder am Flughafen und sind überrascht. Der Norweger in Salzburg? Angeredet werde ich nicht, aber ich höre, wie sie meinen Namen flüstern. Mich stört das nicht, meine Freunde irritiert das manchmal. Ich versuche, mich so normal wie möglich zu geben. Ich bin kein Superstar. Und in Norwegen selbst? Bist du ein Star in der Tradition der „Superelche“ wie Kjus, Aamodt, Svindal? In Norwegen hat das alpine Skifahren einen hohen Stellenwert, die Speedbewerbe allerdings mehr als Slalom und Riesensalom – da bin ich der Erste, der so viel gewinnt. Vielleicht erkennen mich in Österreich mehr Leute auf der Straße als in Norwegen. Bei uns ist Langlaufen ja wesentlich populärer. Aamodt war übrigens immer mein größtes Idol. Als er 2002 Olympia-Gold holte, saß ich als Achtjähriger vor dem TV und wusste: Ich will der beste Rennfahrer der Welt sein. (Denkt etwas nach) Noch ist Marcel ein bisschen besser, aber er fährt nur noch ein, zwei Jahre. Du wirst in Porträts als „Wild Child“ beschrieben. Wie hat man dich als Kind gezähmt? Ja, ich war ein schwieriges Kind, hasste es, ruhig sitzen zu müssen. In der Schule hat es mir überhaupt nicht gefallen, ich wollte einfach nur draußen sein. Zudem bin ich im Osten Oslos aufgewachsen. Das ist zwar nicht ganz so schlimm wie die Bronx (lacht), aber schon eine schwierige Gegend, die Leute haben nicht viel Geld. Mein Vater war sehr streng, hat früh erkannt, dass Sport für mich ein Mittel ist, meinen Bewegungsdrang auszuleben. Mit sechs bekam ich Foto: Red Bull Content Pool/Sebastian Marko 150 SPORTaktiv

HENRIK KRISTOFFERSEN SLALOM- UND RTL-SPEZIALIST AUS NORWEGEN. GEBOREN AM 2. JULI 1994 IN LORENSKOG (NOR). ERFOLGE: 16 WELTCUPSIEGE, 45 PODESTPLÄTZE, OLYMPIA-SILBER 2018, OLYMPIA-BRONZE 2014, 6-FACHER JUNIOREN-WELTMEISTER. WWW.HENRIKKRISTOFFERSEN.COM SPORTaktiv 151

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