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SPORTaktiv Winterguide 2018

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DIE SCHNEEMANAGER MIT

DIE SCHNEEMANAGER MIT DEM WEISS ALLEIN, DAS VOM HIMMEL FÄLLT, GEHT BEIM SKIFAHREN NICHTS MEHR. SCHNEE WIRD IN DEN SKIGE- BIETEN HEUTE ABER NICHT NUR ERZEUGT, SONDERN GEMANAGT. WAS DAS BEDEUTET, HABEN WIR UNS IN MAYRHOFEN IM TIROLER ZILLERTAL ANGESCHAUT. VON CHRISTOF DOMENIG Am liebsten fahre ich auf Naturschnee“, diktiert das Herz auch 2018 noch vielen Skifahrern. Laut Richard Schneider von den Mayrhofner Bergbahnen, ist dieses Gefühl aber eher Ausdruck einer romantischen Verklärung. „Viele kennen das Fahren auf einer richtigen Naturschneepiste gar nicht mehr“, weiß der 35-Jährige und erinnert daran, dass es in seiner Jugend noch normal war, zwischendurch über braune Stellen und den einen oder anderen Stein zu rattern. Bei derart belagsmordenden Makeln würde es heute sofort Beschwerden ins E-Mail-Postfach der Bergbahnen hereinschneien, ist Schneider sicher. Von Saisonstart bis Pistenschluss erwarten Skifahrer durchgehend einen perfekten weißen Teppich. Diese Erwartung erfüllen Skigebietsbetreiber. Alle Pisten der Mayrhofner Skiberge Penken, Horberg und Ahorn werden beschneit. Dafür können die Mayrhofner Schneemacher auf 314 „Schneeerzeuger“ (so der Fachbegriff für die landläufig als „Schneekanonen“ bezeichneten Geräte) zurückgreifen, die mit Wasser aus drei Speicherteichen versorgt und an 633 Zapfstellen angeschlossen werden können. Aber Schnee wird heute nicht einfach nur erzeugt, sondern „gemanagt“. Ver- 74 SPORTaktiv

RICHARD SCHNEIDER ist Betriebsleiter-Stv. der Mayrhofner Bergbahnen im Zillertal (T). www.mayrhofner-bergbahnen.com Fotos: Julia Rotter/Mayrhofner Bergbahnen, Mayrhofner Bergbahnen, socialweb High-Tech im Cockpit: Jedes Pistengerät hat einen GPS-Empfänger eingebaut, der die aktuelle Schneehöhe an jeder Stelle der Piste ermittelt. Auf fünf Zentimeter genau. einfacht erklärt, geht es beim Schneemanagement darum, zwei an sich widersprüchliche Dinge unter einen Hut zu bringen, erklärt Schneider: höchste Pistenqualität bei effizientem Mitteleinsatz. Einfach so über Nacht die Beschneiung anzuwerfen und sich am Morgen über die entstandenen „3-Meter-Haufen“ zu freuen, das ist Schnee von gestern: „Das hat ja in der Früh recht lässig ausgeschaut. Aber man hat keine Sekunde darüber nachgedacht, ob man den erzeugten Schnee eigentlich braucht.“ Natürlich ist effiziente Schneeerzeugung – ganz unromantisch – auch ein Kostenfrage. Salopp ausgedrückt: Schnee ist Geld. Aus einem Kubikmeter Wasser lassen sich im (witterungsabhängigen) Idealfall zwei Kubikmeter Schnee gewinnen. In Mayrhofen werden pro Saison rund eine Million Kubikmeter vom Weiß produziert. Aus Wasser, das durch die Leitungen der Schneeerzeuger fließt und per Luftkühlung in Schnee, der dann auf die Pisten rieselt, umgewandelt wird. Ein ökonomischer Mitteleinsatz tut aber auch der Umwelt gut – weil damit nicht nur Wasser, sondern viel Strom eingespart wird. Schneesollhöhen und GPS-Messung Der Großteil der Schneeerzeugung passiert im November und Dezember. Später werde nur noch punktuell bei Bedarf nachproduziert, erklärt Schneider. Eine wesentliche Rolle spielen die Außentemperaturen: Ab -2 Grad „Feuchtkugeltemperatur“ funktioniert die Schneeproduktion, die höchste Effizienz ist aber erst bei -12 Grad erreicht. Die Feuchtkugeltemperatur weicht etwas von der Lufttemperatur ab und errechnet sich aus dem Verhältnis zwischen Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit. Jedenfalls gilt, den idealen Zeitpunkt abzuwarten, um die Schneeerzeuger anzuwerfen. Rund zehn Tage dauert auf den Mayrhofner Bergen eine „Vollbeschneiung“. „Bei Saisonstart Anfang Dezember haben wir in der Regel rund 70 Prozent der Sollschneehöhen erreicht.“ Diese Sollschneehöhen sind auch ein wichtiger Faktor: Sie sind exakt für jeden Teil der 185 Hektar Pistenfläche definiert und liegen je nach Hangbeschaffenheit zwischen 20 Zentimetern (in Flachpassagen) und rund 80 Zentimetern (in Steilhängen). Das Skigebiet ist GPS-vermessen, die Schneehöhen werden täglich mit hochmodernen GPS-Geräten, die in allen Pistengeräten eingebaut sind, gemessen und die Daten an einen zentralen Computer übermittelt. Dieses satellitengestützte Wunderwerk funktioniert beeindruckend genau mit maximal fünf Zentimetern Abweichung zur realen Schneehöhe. Aus den Computerdaten und täglichen Lagebesprechungen wissen die Pistenbully-Fahrer somit Tag für Tag exakt, wie und wo sie den Schnee umverteilen müssen, damit bis zum letzten Skitag im Jahr die Unterlage tip top bleibt. Und falls das Prozedere jetzt jemandem doch allzu technisch und wenig romantisch vorkommt, der kann eine Mitteilung des Mayrhofner Betriebsleiters mitnehmen: Der wichtigste Faktor im Schneemanagement sind nicht die Maschinen, sondern die Menschen, die sie bedienen. Und das vielleicht noch: Auch vom Himmel herab hat es in den letzten Jahren überdurchschnittlich viel in den Zillertaler Bergen geschneit. Oft jedoch erst Ende Dezember oder gar im Jänner. Der pünktliche Saisonstart und der weiße Teppich die ganze Saison über: Beides ist den Schneemanagern und ihren technischen Hilfsmitteln zu verdanken. SPORTaktiv 75

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